Lieber tot als rot

»Frie­dens­po­litik war in ver­gan­genen Jahr­zehnten für die Gewerk­schafts­be­wegung ein zen­trales Anliegen«, behauptete der Vor­sit­zende der Links­partei Bernd Riex­inger Anfang März in einem Interview mit der Tages­zeitung junge Welt. Dieser These wider­spricht der Poli­tik­wis­sen­schaftler Malte Meyer in seinem Buch mit dem bezeich­nenden Titel »Lieber tot als rot« mit guten Argu­menten. Meyer unter­sucht das Ver­hältnis der großen Gewerk­schaften (ADGB in der Wei­marer Republik und DGB in der BRD) in Deutschland zum Militär in den letzten 100 Jahren. Ihre Inte­gration in den Staats­ap­parat und die Über­nahme der Staats­raison, wozu der Anti­kom­mu­nismus gehört, seien der Grund dafür gewesen, dass diese Gewerk­schaften die Armee voll­ständig akzep­tierten, so die These des Autors. In der noch immer gül­tigen gemein­samen Erklärung von DGB und Bun­deswehr aus dem Jahr 1981 bezeichnen sich beide als unver­zichtbare Säulen des Staates. Es ging eben nicht nur um die Ver­tei­digung von Arbeits­plätzen in der Rüs­tungs­in­dustrie, was linke Gewerkschafter_​innen gerne anführen, betont Meyer. Auch an der kom­mu­nis­ti­schen Strömung kri­ti­siert er einen Geist von Dis­ziplin und Unter­ordnung, der his­to­risch oft ein Ein­fallstor für Mili­ta­rismus war. Meyer tritt für eine bessere Koope­ration der kleinen anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Szene ein und bezieht sich auf die vor allem in Deutschland mino­ritäre anti­au­to­ritäre Strömung in der Arbei­ter­be­wegung. Mit seinem Buch liefert er dazu wichtige his­to­risch unter­füt­terte Argu­mente.

https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​3​7​/​0​5.htm

Peter Nowak


Malte Meyer: Lieber tot als rot, Gewerk­schaften und Militär in Deutschland seit 1914. Edition Assem­blage, Münster 2017, 335 Seiten, 19,80 EUR.

Ver­an­stal­tungs­hinweis zum Buch:

Dis­kussion mit Malte Meyer: Lieber tot als rot

Dienstag, 24. April 19:00 – 21:00
Baiz
Schön­hauser Allee 26a, 10435 Berlin