Weil zu wenige profitieren

Erster Kiez­spa­ziergang gegen den geplanten Google-Campus am Samstag in Kreuzberg

Miete ver­weigern, Kün­digung ins Klo – Google ent­eignen so- wieso“, diese Parole wurde am Samstag in Kreuzberg skan­diert. Um 15 Uhr startete bei kaltem Win­ter­wetter der erste Kiez­spa­ziergang gegen den im ehe­ma­ligen Umspannwerk in der Ohlauer Straße geplanten Google-Campus. Red­ne­rInnen ver­schie­dener linker Gruppen machten deutlich, dass es ihnen um mehr als um Google geht. An der ehe­ma­ligen Cuvry­brache gab es eine kurze Zwi­schen­kund­gebung. Dort will im nächsten Jahr der Online-Ver­sand­handel Zalando eine Zen­trale eröffnen. Bereits vor einigen Wochen wurde der Rohbau gefeiert. Beim ehe­ma­ligen Post­ge­bäude zwi­schen Gör­litzer Park und Schle­si­scher Bahnhof wurde in einen Rede­beitrag moniert, dass die ange­sagte Location Pri­vatclub schließen soll. Mit­ar­bei­te­rInnen der in dem Gebäude befind­lichen Start- up-Unter­nehmen hatten sich über den Lärm beschwert, der mit Kon­zerten und Partys ver- bunden ist. Die Gruppe Theorie Orga­ni­sation Praxis (TOP) betontein ihrem Rede­beitrag, dass ihr Protest sich nicht gegen die Digi­ta­li­sierung richtet, sondern dagegen, dass davon im Kapi­ta­lismus nur wenige pro­fi­tieren. TOP war auch Teil eines linken Bünd­nisses, das die For­de­rungen der Amazon-Beschäf­tigten nach mehr Lohn und einem Tarif­vertrag unter­stützt. Ein Trans­parent mit der Parole „Make Amazon pay“ wurde getragen. Anfangs war die Teil­neh­me­rIn­nenzahl des Spa­zier­gangs recht bescheiden. Doch auf der Strecke schlossen sich weitere Anwoh­ne­rInnen an, die Zahl der Per­sonen wuchs schließlich auf knapp 150. Cor­nelia Möller, die den Protest mit vor­be­reitet hat, zeigte sich mit der Resonanz zufrieden: „Doch in den nächsten Wochen müssen die Pro­teste bei hof­fentlich bes­serem Wetter wei­ter­gehen und wachsen“, betonte Möller gegenüber der taz. Dass da noch Potenzial nach oben ist, zeigte sich beim Gang durch die Wran­gel­straße. Viele der Pas­san­tInnen, die am Samstag am Rande standen, hat- ten im Sommer 2015 als Teil der Bizim-Initiative wochenlang gegen die Kün­digung eines Gemü­se­ladens in der Nach­bar­schaft pro­tes­tiert.

aus: montag, 5. märz 2018 taz

Peter Nowak