Mieter rebellieren in Tiergarten

Münchner Investor will mit Eigen­tums­woh­nungen „nach­ver­dichten“. Jetzt orga­ni­sieren sich die Anwohner

Nach­ver­dichtung am Lüt­zowufer“ lautet die Devise des Müncn er Immo­bi­li­en­un­ter­nehmens Euro­boden. 2017 hat es mehrere Grund­stücke am Lüt­zowufer 1a–5a erworben. Hinter den im Rahmen der dama­ligen Inter­na­tio­nalen Bau-Aus­stellung (IBA) 1987 als Ener­gie­spar­häuser errich­teten Gebäuden sollen Eigen­tums­woh­nungen ent­stehen. Nachdem Mitte Januar eine Jury ein Archi­tek­tenbüro für die Rea­li­sierung aus­ge­wählt hat, könnten die Pla­nungen beginnen. Doch nun wehren sich die Mie­te­rInnen der Häuser. Ein Bewohner hatte kurz­ent­schlossen per Hand­zettel in einem nahen Restaurant zu einer Mie­te­rIn­nen­ver­sammlung ein­ge­laden. Über 50 Men­schen kamen am Mitt­woch­abend, viele wohnten seit Jahr­zehnten in den Häusern. Der Mode­rator musste seine Stimme öfter heben, um sich Gehör zu ver­schaffen. Denn die Anwe­senden spru­delten über vor Ideen, wie man doch noch die Pläne der Euro­boden ver­hindern könne. Ein älterer Mann hatte in seinem Zei­tungs­ar­chiven gestöbert und Publi­ka­tionen des Ber­liner Mie­ter­vereins gefunden, in denen über wenig mie­te­rIn­nen­freund­liche Prak­tiken der Euro­boden berichtet wurde. „In puncto Dreis­tigkeit dürften die Ent­mie­tungs­me­thoden in der Win­ter­feldt­straße 35 in Schö­neberg kaum zu über­bieten sein“, zitierte er aus dem Artikel. Das ent­fachte den Wider­stands­geist der Anwe­senden noch mehr. In Arbeits­gruppen berei­teten sie Besuche beim Bezirksamt, beim Amt für Denk­mal­schutz, bei der Ber­liner Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten Eva Högl vor. Ein Mann verwies auf geschützte Tier­arten wie Fle­der­mäuse auf dem Grund­stück, die den Bau behindern könnten. Auf wei­teren Treffen wollen die Mietre­bel­lInnen aus Tier­garten viel­leicht auch öffent­liche Pro­teste vor­be­reiten. 

aus Taz vom freitag, 9. februar 2018

Peter Nowak