Wie Studierendendateien der Uni Freiburg ins Visier der Indymedia-Ermittler gerieten

Die Polizei hält Kopien von zwei Daten­träger zurück, die das gesamte Innen­leben der Ver­fassten Stu­die­ren­den­schaft ent­halten

Es ist ruhig geworden, um die Abschaltung der Online-Plattform Links­unten. Obwohl die Kritik anfangs groß und die Soli­da­rität beachtlich war, ist die linke Plattform noch immer abge­schaltet.

Dafür wurde jetzt bekannt, dass der Polizei bei den Durch­su­chungen im Zusam­menhang mit der Indy­media-Abschaltung auch zwei Daten­träger der Ver­fassten Stu­die­ren­den­schaft der Uni Freiburg in die Hände gefallen sind, die das gesamte Innen­leben der Frei­burger Uni­ver­sität ent­halten:

Auf genannter Backup-Fest­platte befinden sich unter anderem die Daten aller 25.000 Stu­die­renden der Uni Freiburg in Form von Wähler*innenverzeichnissen, die kom­pletten Per­sonal- und Arbeitnehmer*innendaten der VS, sämt­liche Lohn­ab­rech­nungen mit Kon­takten und der Kon­to­daten auch aller Referent*innen und Ange­stellten seit der Wie­der­ein­führung der Ver­fassten Stu­die­ren­den­schaft im Jahr 2013. Wei­terhin befinden sich dort die Daten­ar­chive der Zeit vor 2013 und Bild­do­ku­men­ta­tionen von uni­ver­si­tären Pro­test­ak­tionen.

Pres­se­mit­teilung des Stu­die­ren­den­rates der Uni Freiburg

Die Begründung für die Daten­kopien wech­selten

»Es han­delte sich um eine Backup-Fest­platte unseres Servers und einen USB-Stick, die aus Sicher­heits­gründen nicht in den Räum­lich­keiten der Stu­die­ren­den­ver­tretung auf­be­wahrt worden sind, sondern extern in der Wohnung eines unserer Mit­ar­beiter. Grund hierfür war die Häufung von Ein­brüchen in Räume der VS«, erklärte ein Mit­glied der Ver­fassten Stu­die­ren­den­schaft gegenüber Tele­polis.

Dass die Kopien dieser Daten privat auf­be­wahrt wurden, sei nicht unge­wöhnlich und auch rechtlich kein Problem. Die Polizei hatte die Dateien auch zeitnah zurück­ge­geben. Aller­dings hatte sie eine Kopie gemacht und das damit begründet, dass sie sich damit vor einem mög­lichen Vorwurf schützen wollte, die Dateien mani­pu­liert zurück­ge­geben zu haben. Doch auch nachdem die Ver­fasste Stu­die­ren­den­schaft die Daten über­prüft und ver­si­chert hatte, dass keine Mani­pu­lation statt­ge­funden hat , wurden die frag­lichen Kopien kei­neswegs ver­nichtet. Plötzlich wech­selte die Begründung für die Ver­viel­fäl­tigung der Daten:

In einem Schreiben des Regie­rungs­prä­si­denten wurde der Stu­die­ren­den­schaft mit­ge­teilt, »… dass eine Aus­wertung der in Rede ste­henden Daten auf­grund der teil­weisen Kryp­tierung bislang nicht erfolgen konnte. Die Beschlag­nahme der beiden Daten­träger ist durch den ent­spre­chenden Durch­su­chungs- und Beschlag­nah­me­be­schluss des VG Freiburg…gedeckt, da nicht von vorn­herein aus­ge­schlossen werden kann, dass die Daten Belege über die Zuge­hö­rigkeit von (…) zum Verein ‚linksunten.indymedia‘ und/​oder über die Akti­vi­täten des Vereins ent­halten. Die Daten könnten daher für das lau­fende Ver­fahren gegen die Ver­bots­ver­fügung vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt von Bedeutung sein. Sobald die Aus­wertung der Daten erfolgt ist, werden wir wieder auf Sie zukommen.«

Die Stu­die­ren­den­schaft spricht von einem rechtlich frag­lichen Vor­gehen, zumal ihr keine Unter­stützung der Indy­me­dia­plattform vor­ge­worfen wird. Kri­ti­siert wird die Daten­sam­melwut von Rechts­anwalt Udo Kauß, der von einer Ermittlung ins Blaue spricht: »Diese Dateien sind den Sicher­heits­be­hörden ganz unge­wollt in die Hände gelangt. Kein Gericht des Landes würde eine Durch­su­chung und Beschlag­nahme von Dateien der VS allein mit der Begründung erlauben, es könnte nicht aus­ge­schlossen werden, dass sich doch Brauch­bares in diesen Dateien befinden.«

Von den Grünen in Baden Würt­temberg hört man in der Ange­le­genheit nichts. Wären sie in der Oppo­sition, hätten sie sicher den Daten­schutz ver­teidigt. In Baden-Würt­temberg sind sie aber die größere der beiden Regie­rungs­par­teien.

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