Hasi Halle bleibt – zunächst

Miet­vertrag beendete Zit­ter­partie um linkes besetztes Zentrum in Halle. Doch die Debatten ums Hasi gehen weiter

Die Betreiber_​innen des Hal­lenser sozio­kul­tu­rellen Zen­trums Hasi in der Hafen­straße 7 können vorerst auf­atmen. Die Hal­lesche Woh­nungs­ge­sell­schaft HWG wird den Vertrag zunächst bis zum Jah­resende ver­längern. Zudem prüft die Stadt Halle in Sachsen-Anhalt den Ankauf des Hauses. Das hat der Auf­sichtsrat der HWG am Don­nerstag beschlossen. Das Haus war aus einer Haus­be­setzung im Januar vorigen Jahres her­vor­ge­gangen (»nd« berichtete). Die Besetzer_​innen waren von Anfang an kon­struktiv und setzen auf Ver­hand­lungen. Ein offenes Haus für alle und nicht ein ver­län­gertes Wohn­zimmer für die Sub­kultur war das Ziel der Besetzung. Was die anfangs zwölf­köpfige Gruppe in den knapp 20 Monaten auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen.

So wurden das Grund­stück und das Haus kom­plett auf­ge­räumt. Der Haufen Müll, der ursprüng­liche dort gelegen hatte, füllte mehrere Con­tainer. Das ver­wil­derte Grund­stück wurde beschnitten und beräumt. Es wurden Was­ser­lei­tungen und Strom­kabel verlegt. Die Räume wurden teil­weise reno­viert. Es wurde ein Les­ecafé und eine kleine Bibliothek auf­gebaut, berichtete ein Besetzer der ersten Stunde gegenüber »nd«. Im Jah­res­be­richt des Vereins Capuze e.V., der Träger der Hasi ist, sind zahl­reiche Ver­an­stal­tungen im Haus mit Gästen aus dem gesamten Bun­des­gebiet auf­ge­führt. Dazu gehören das Treffen des Netz­werkes Soli­da­rische Land­wirt­schaft, zahl­reiche Lesungen, Kul­tur­ver­an­stal­tungen und poli­tische Dis­kus­sionen.

Trotzdem waren die letzten Wochen für die Hasi-Betrei­ber_innen eine Zit­ter­partie. Am 30. Sep­tember wäre der bis­herige Vertrag aus­ge­laufen. Zuvor hatte sich ein kleiner Teil der Nach­bar­schaft in einen Offenen Brief gegen das Projekt posi­tio­niert. Dies wurde von den kon­ser­va­tiven Medien in Halle auf­ge­griffen.

»Es gibt ein paar Anwohner_​innen, die einfach auf Prin­zipien ver­harren und uns immer nur anmotzen, selbst wenn wir sie höflich ansprechen«, meint Mit­be­trei­berin Theresa Peu­ckert gegenüber »nd«. Sie ver­mutet, dass es da auch um Inter­essen von Investor_​innen geht. Peu­ckert beklagt, dass die Regio­nal­medien ein­zelne ableh­nende Äuße­rungen von Anwohner_​innen in den Mit­tel­punkt stellten, – gegen einen Jour­na­listen haben die Hasi-Bewoh­ner_innen wegen seiner Bericht­erstattung mitt­ler­weile eine Beschwerde beim Pres­serat ein­gelegt. Dabei gab es in den letzten Wochen auch zahl­reiche Soli­da­ri­täts­er­klä­rungen von Nachbar_​innen. »Als Mieter würde ich mich freuen, wenn auf unser Wohl­ergehen mehr geachtet wird und poli­tische Frei­räume wie die Hasi von der HWG unter­stützt würden«, schreibt ein Anwohner. Auch die Hal­lenser Bezirks­or­ga­ni­sation der EVG (Gewerk­schaft für Eisenbahn und Verkehr) hat sich mit dem Haus soli­da­ri­siert.

Mit nur kurz­fris­tigen Ver­län­ge­rungen ihres Miet­ver­trages – wie eben geschehen um drei Monate – sind die Betreiber_​innen nicht zufrieden. Sie fordern einen lang­fris­tigen Vertrag, um ihre Arbeit auf eine sichere Grundlage stellen zu können. Die Hasi findet in Halle nicht zuletzt auch deshalb viel Zustimmung, weil es seit kurzem in Halle auch einen neuen Anlauf­punkt für die rechte Bewegung gibt: Die Iden­ti­tären haben in der Stadt an der Saale im Juli dieses Jahres ein kul­tu­relles Zentrum für Schu­lungen und Kon­fe­renzen eröffnet. »Da sind Räume, in denen Rechte keinen Zutritt haben, dafür aber Men­schen unab­hängig von ihrer Her­kunft und Haut­farbe will­kommen heißen, um so wich­tiger«, betont Theresa Peu­ckert von der Hasi.

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Peter Nowak