Automatisierung

Der Wis­sen­schafts­jour­nalist Mat­thias Becker widmet sich in seinem Buch »Auto­ma­ti­sierung und Aus­beutung« der Frage, was aus der Arbeit im digi­talen Kapi­ta­lismus wird. Dabei macht er einen Exkurs in die Geschichte zum ersten Schach­com­puter der Welt, der 1770 in Wien prä­sen­tiert wurde. Doch bedient wurde die viel­be­staunte Appa­ratur von einem mensch­lichen Spieler, der sich im Innern des Kastens verbarg. Becker spricht von einer Hoch­sta­pelei, die sich durch die Geschichte der Erfor­schung künst­licher Intel­ligenz und der Robotik bis zur Gegenwart ziehe, und bringt dafür Bei­spiele bis in die Gegenwart. So wurde 2006 auf der Han­nover-Messe ein Robo­terarm vor­ge­stellt, der ein Wei­zenbier ein­schenkt. Die Öffent­lichkeit und auch viele Journalist_​innen waren beein­druckt. »Wer genauer hin­schaut, sieht, dass das Wei­zen­bierglas durch eine Hal­terung in eine leicht schräge Lage gebracht wird. Die Steuerung führt die Bewegung des Robo­terarms aus, ohne die Position des Glases zu berück­sich­tigen«. Nun geht es Becker kei­neswegs darum, wis­sen­schaft­liche Fort­schritte zu bestreiten, die die Arbeitswelt umkrempeln. Doch betont er, dass die mensch­liche Arbeits­kraft dadurch kei­neswegs über­flüssig wird. Nicht die Algo­rithmen, sondern das Kapital bestimmt, in welche Richtung die Ent­wicklung geht. Dass Becker die Frage stellt, was denn so schlimm wäre, wenn uns Maschinen nerv­tö­tende Tätig­keiten abnehmen würden, hebt sein Buch positiv aus der Bücherflut zur Digi­ta­li­sierung hervor.

Mat­thias Martin Becker : Auto­ma­ti­sierung und Aus­beutung. Was wird aus der Arbeit im digi­talen Kapi­ta­lismus? Pro­media Verlag, Wien 2017. 240 Seiten, 19,90 EUR.

aus
ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 628 / 20.6.2017

https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​2​8​/​0​7.htm
Peter Nowak

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