Wirbel um Grup Yorum


Einer linken Band aus der Türkei wurde im hes­si­schen Fulda der Kon­zertort gekündig
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Im ost­hes­si­schen Fulda sorgen in den letzten Tagen junge Frauen für Auf­merk­samkeit, die in der Innen­stadt Flug­blätter ver­teilen und Lieder singen. Bekleidet waren sie mit einem T‑Shirt mit der Auf­schrift Grup Yorum. Bun­desweit wird auf Pla­katen zu einem anti­ras­sis­ti­schen Fes­tival in der Messe-Galerie der Dom­stadt mobi­li­siert, auf dem auch die 1985 von linken Stu­die­renden in der Türkei gegründete Band auf­treten sollte.

Doch die Fuldaer Stadt­ver­waltung hat den Vertrag gekündigt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Kassel bestä­tigte diesen Schritt. Es begründete seine Ent­scheidung mit for­malen Fehlern des Frei­den­ker­ver­bands, der das Gelände ange­mietet hatte. Der Vertrag sei nicht wie vor­ge­schrieben von einer zweiten Person aus dem Vor­stand unter­zeichnet gewesen. Darüber hinaus befand das Gericht, dass die Messe- Galerie nur für »unpo­li­tische« Ver­an­stal­tungen ohne grö­ßeres Kon­flikt- und Gefah­ren­po­tenzial geeignet sei. Der Auf­tritt von Grup Yorum würde nach Ansicht des Gerichts für Unruhe sorgen.

Wie sich aus den Inter­net­auf­tritten dieser Gruppe ent­nehmen lasse, seien deren Auf­tritte hoch poli­tisch, erläutert das Gericht in seinem Urteil. Daher sei es »rechtlich nicht zu bean­standen, dass die Stadt mit Blick auf das umlie­gende Wohn­gebiet das Gelände nicht für eine solche Ver­an­staltung zur Ver­fügung stellen wolle«, heißt es.

Mit Ver­boten und Schi­kanen hat Grup Yorum seit ihrer Gründung zu kämpfen. Nicht erst unter der AKP-Regierung in der Türkei werden die Musiker immer wieder ver­haftet und gefoltert. Erst kürzlich wurden in der Türkei wieder Band­mit­glieder inhaf­tiert. Weil sie Nach­wuchs­mu­siker vor allem in den Armen­vierteln der großen tür­ki­schen Städte aus­bildet, kann die Band über­haupt bis heute weiter bestehen. Im Grup-Yorum-Chor wird auf eine gute Stimme, aber auch auf poli­tische Bildung Wert gelegt. Die zer­split­terte tür­kische und kur­dische Linke trift sich bei Grup-Yorum-Kon­zerten. Längst hat die Band auch in der tür­ki­schen Dia­spora im Ausland viele Fans. Dabei betonen die Musiker, dass sie keine Jugend- und Sub­kultur bedienen. »Wir stützen uns in erster Linie auf die populäre Musik Ana­to­liens«, erklärten sie in einem Interview.

Wahr­scheinlich wird die Band nun aber doch in Fulda ihre Künste dar­bieten können – denn es wurde ein Aus­weichort gefunden. Nach Angaben des hes­si­schen Lan­des­vor­sit­zenden des Frei­den­ker­ver­bandes, Willi Schulz-Baratin, kann das Konzert auf einem Park­platz vor dem städ­ti­schen Stadion statt­finden. Bis zu 3000 Besucher aus ganz Europa werden dort erwartet. Auch Wolfgang Lettow von der Publi­kation »Gefan­ge­neninfo« will aus Hamburg anreisen. Eine größere Teil­nahme von deut­schen Unter­stützern wäre für ihn auch ein Schutz für das Konzert. Bei einem Auf­tritt von Grup Yorum bei einem anti­ras­sis­ti­schen Fest in Fulda war im letzten Jahr auf Anordnung der Polizei der Verkauf von T‑Shirts und CDs der Band ver­boten worden. Auch Spenden durften nicht gesammelt werden.

Unter­stützung für das Konzert am Samstag kommt auch vom LINKE-Kreis­verband in Fulda. Ihr Direkt­kan­didat zur Bun­des­tagswahl, Nick Papak Amoo­zegar, kri­ti­siert, dass durch die Fuldaer Behörden eine Ter­ro­ris­mus­hys­terie erzeugt und die Kunst­freiheit beschnitten werde. Dass jetzt noch ein Ersatzort für den Auf­tritt gefunden wurde, sieht er als Erfolg der Band.
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Peter Nowak


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