»Zwangsräumung beginnt hier«

Akti­visten besuchen Haus­ver­waltung des linken Kiez­ladens »Friedel 54«

Großes Gedränge am Diens­tag­nach­mittag im Büro der Secura-Grund­stücks­ver­waltung in Frie­denau. Rund 20 Akti­visten des Bünd­nisses »Zwangs­räumung ver­hindern« wollen per­sönlich einen Offenen Brief abgeben, in dem sie sich für den Erhalt des Neu­köllner Stadt­teil­ladens in der Frie­del­straße 54 ein­setzen. Nach einer Kün­digung im ver­gan­genen Jahr soll das linke Projekt am 29. Juni geräumt werden (»nd« berichtete).

Eigen­tümer des Hauses ist die Luxem­burger Brief­kas­ten­firma »Pinehill«, die Teil eines undurch­sich­tigen Fir­men­kon­strukts ist. »Die Secura ist als Haus­ver­waltung in dem Gebäude unser lokaler Ansprech­partner. Wir wollen den Mit­ar­beitern per­sönlich sagen, was der Kiez­laden für uns bedeutet«, begründet David Schuster vom Bündnis »Zwangs­räumung ver­hindern« den Besuch. Mit­ge­bracht haben die Akti­visten auch ein Trans­parent: »Zwangs­räumung beginnt hier«.

Tat­sächlich lassen die Mit­ar­beiter der Haus­ver­waltung den Brief ver­lesen. Darin nennen die Ver­fas­se­rinnen und Ver­fasser die Gründe, weshalb sie sich für den Kiez­laden ein­setzen. In dem Schreiben heßt es: »Hier kannst du kommen und gehen, du kannst einfach nur in der Ecke abhängen und den anderen beim Schnippeln von Gemüse zuschauen, und wenn du Lust hast, dann machst du mit, und wenn du neu­gierig bist, dann hörst du dir die Vor­träge an und die Dis­kus­sionen und die Filme, und wenn du hungrig bist, dann isst du das Essen, ohne dass irgend­jemand eine Gegen­leistung von dir erwartet.«

Mündlich for­derten die unan­ge­mel­deten Besucher die Secura-Mit­ar­beiter auf, sich gegen die dro­hende Zwangs­räumung zu posi­tio­nieren. Zudem begehrten die Akti­vis­tinnen und Akti­visten Auf­klärung über das Fir­men­ge­flecht, das sich hinter der »Pinehill« ver­birgt.

Die drei im Büro anwe­senden Secura-Mit­ar­beiter ver­wiesen auf rechts­kräftige Gerichts­ur­teile vom ver­gan­genen Jahr, die die Räumung möglich machen. Secura-Mit­ar­bei­terin Janina Schwäneke lehnte jede weitere Dis­kussion mit den unge­be­tenen Besu­che­rinnen und Besu­chern ab und for­derte sie zum sofor­tigen Ver­lassen der Räume auf. Nach rund 15 Minuten kamen die Akti­visten dem nach.

Zurück blieben neben dem Offenen Brief zahl­reiche Flyer, die zum Wider­stand gegen die Zwangs­räumung auf­rufen. Seit Monaten läuft die Kam­pagne gegen die Zwangs­räumung des Ladens, seit einigen Tagen die Mobi­li­sierung für eine Blo­ckade am Tag der Räumung. Daran wollen sich zahl­reiche Initia­tiven der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken in Berlin betei­ligen. »Der Dialog mit der Secura kam nicht zustande. Doch die Mobi­li­sierung gegen die Räumung gewinnt an Schwung«, sagte Sara Walther vom Bündnis »Zwangs­räumung ver­hindern«. Die Secura reagierte bis Redak­ti­ons­schluss nicht auf Anfragen von »neues deutschland«.

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Peter Nowak