»Der klassische McKinsey-Kurs«

Die »Aktion Arbeits­un­recht« ver­an­staltet an jedem Freitag, dem 13., Pro­teste gegen Unter­nehmen, die durch einen besonders aus­beu­te­ri­schen Umgang mit ihren Beschäf­tigten auf­fallen. Am 13. Januar traf es Median, eine Firma für medi­zi­nische Reha­bi­li­tation. Elmar Wigand gehört zu den Gründern der »Aktion Arbeits­un­recht« und hat sich zum vierten Mal am »Schwarzen Freitag« beteiligt.

Small Talk mit Elmar Wigand von der »Aktion Arbeits­un­recht« von Peter Nowak

Am 13, Januar gab es bun­desweit Pro­teste gegen Lohn­dumping und union busting vor den Kli­niken des Kon­zerns Median. Warum wurde das Unter­nehmen aus­ge­wählt?

Wir brand­marken immer an einem Freitag, dem 13., Betriebe, die durch ihr besonders krasses Vor­gehen gegen Beschäf­tigte, Betriebsräte und Gewerk­schafter auf­ge­fallen sind. Bei Median ist jede Menge Dampf im Kessel, seit die Kette 2014 von dem nie­der­län­di­schen Hedge­fonds Waterland gekauft und durch Zukäufe erheblich erweitert wurde. Das Reha-Unter­nehmen beschäftigt inzwi­schen 15 000 Leute in 121 Ein­rich­tungen. Waterland wird in Deutschland von einem McK­insey-Zögling gemanagt, Carsten Rahlfs. Ein wei­terer McK­insey-Zögling, André Schmidt, wurde als CEO bei Median instal­liert. Hier wird der klas­sische McK­insey-Kurs zur »Opti­mierung der Wert­schöp­fungs­kette« ver­folgt: Lohn­dumping, Gewerk­schafts­be­hin­derung, Tarif­flucht, Aus­la­ge­rungen an Sub­un­ter­nehmer. Trau­riger Höhe­punkt war die Schließung einer ganzen Klinik, um eine Streik­hochburg von Verdi zu schleifen. Die Weser­klinik in Bad Oeyn­hausen war wohl­ge­merkt pro­fi­tabel.

Wie war bun­desweit die Resonanz an diesem »Schwarzen Freitag«?

Gut. Es gab Kund­ge­bungen an etwa 20 Orten. Unsere Spe­zia­lität ist, das union busting anzu­greifen, also nicht nur die Geschäfts­führung zu kri­ti­sieren – worauf sich ML-Gruppen, Trotz­kisten, aber auch kon­ven­tio­nelle Gewerk­schafter zumeist beschränken. Neben Aktionen vor und in diversen Median-Ein­rich­tungen gab es einen Protest vor der Waterland-Zen­trale in Düs­seldorf, 50 Leute kamen in Frankfurt vor dem Büro einer Rechts­an­walts­kanzlei zusammen, die im Auftrag von Median Leute mit Klagen fer­tig­macht. Andere pro­tes­tierten bei­spiels­weise in Berlin vor Büros der Deut­schen Ren­ten­ver­si­cherung. Wir haben zudem eine Online-Petition an die zuständige DRV-Refe­rats­lei­terin Nicole Wen­deroth begonnen. Denn aus den Ren­ten­kassen werden die Profite für Median bezahlt.

Ist es Ihnen gelungen, union busting in Deutschland zum Thema zu machen?

Immerhin haben wir den Begriff so weit eta­bliert, dass der DGB ihn offi­ziell ver­wendet. Der »Schwarze Freitag« ist nur ein Teil des Ganzen, aber ein wich­tiger.

Die Akti­onstage werden von wenigen Enga­gierten vor­be­reitet. Wie steht es mit der Aus­weitung der Orga­ni­sation?

Unser Ziel ist es, ein Netzwerk zu knüpfen, dabei aber Eigen­stän­digkeit und Unab­hän­gigkeit von Gewerk­schaften, Par­teien und staat­lichen Geldern zu bewahren. Das ist im Ent­stehen, geht aber doch lang­samer voran, als wir dachten. Ein Grund ist, dass die toxische ML-Sek­ten­kultur der sieb­ziger Jahre zum Teil noch spürbar ist: Intrigen spinnen, Macht aus­bauen, spalten. Ein wei­terer Grund: Das Thema ist riesig, darauf könnte man Kar­rieren begründen, damit kann man leider auch EU-För­der­töpfe anzapfen und Gewerk­schafts­pöstchen ergattern.

Wie ist die Resonanz bei den Gewerk­schaften?

Mal so, mal so. Es hängt von ein­zelnen Sekre­tären an der Basis ab, im Fall der Syn­di­ka­listen von der Struktur der Orts­gruppen. Die Resonanz der DGB-Lei­tungs­ebene ist nicht unso­li­da­risch, aber auch nicht enthu­si­as­tisch. Es kommt auch darauf an, wie stark die Apparate noch mit der SPD ver­filzt sind. Oder bei der FAU: wie stark man einer ortho­doxen Aus­legung der Lehren Rudolf Rockers folgt.

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Interview: Peter Nowak