Essen für Obdachlose unerwünscht

Seit zwei Jahren bietet der Verein Ber­liner Obdach­lo­sen­hilfe an ver­schie­denen Plätzen in Berlin gesundes Essen für Obdachlose an. Auch der Hansa­platz in Moabit gehört seit kurzem dazu. Doch ein Teil der Anwohner ist über dieses ehren­amt­liche Enga­gement nicht erfreut. Sie werfen dem Verein vor, Woh­nungslose anzu­locken und damit den Bezirk abzu­werten. Schließlich soll das Areal zum 70. Jubiläum des Han­sa­viertels ver­schönert werden, und da passen arme Men­schen offen­sichtlich nicht allen ins Bild.

Zum Sprachrohr der Kri­tiker der Obdach­lo­sen­hilfe machte sich der Abge­ordnete Thomas Isenberg (SPD), der seinen Wahl­kreis im Han­sa­viertel hat. Auf einer von ihm mode­rierten Ver­an­staltung sagte er am Diens­tag­abend, er wolle in einem Jahr einen sau­beren Hansa­platz haben. Dazu sei er auch bereit, Obdachlose zu ver­drängen. Er werde alle recht­lichen Schritte prüfen, um der Obdach­lo­sen­hilfe die Essens­ausgabe auf dem Hansa­platz zu ver­bieten.

Ein Teil der rund 100 Teil­nehmer der Ver­an­staltung stimmten Isenberg zu. Nur wenige machten darauf auf­merksam, dass Obdachlose nicht ver­schwinden, wenn sie am Hansa­platz kein Essen mehr bekommen. Sie for­derten sozi­al­ar­bei­te­rische und gesund­heits­po­li­tische Maß­nahmen, um die Obdach­lo­sigkeit und nicht die Armen zu bekämpfen. »Wir würden uns gerne über­flüssig machen, wenn der Staat ein bes­seres Betreu­ungs­pro­gramm auf­legen würde. Bis dahin werden wir weiter unsere Hilfe anbieten«, sagte Hel­ferin Sabrina Wolter dem »nd«.

Peter Nowak


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