Streit um Nobelprojekt im Sama-Kiez

Die Rudi­mente einer Kiez­kultur sollten erhalten bleiben, sagen die Betreiber eines Clubs, der mit den Inves­toren koope­riert. Andere sehen die Kul­tur­be­treiber als Fei­gen­blatt des Kapitals.

Die alte Möbel­fabrik in der Rigaer Straße 71–73 ist eine der größten Brachen in Fried­richshain. Doch bald soll dort mit dem »Carré Sama-Riga« etwas Nobles ent­stehen. »In einer der gefrag­testen Kiez-Lagen von Berlin – im Sama­riter-Viertel – bereitet die CG Gruppe ein wei­teres, anspruchs­volles Projekt vor«, heißt es auf der Homepage des Immo­bi­li­en­un­ter­nehmens.

Im Kiez regt sich Wider­stand. »Wer wird von den teuren Lofts pro­fi­tieren? Die, die oft nicht wissen, wie sie das Geld zum Über­leben bekommen, sicher nicht«, heißt es in einer Ein­ladung zu einem Vor­be­rei­tungs­treffen zu einem Kiez­spa­ziergang. Er soll zu Orten führen, an denen Gering­ver­diener ver­drängt werden. »Schließlich müssen auch im Sama­viertel immer mehr Men­schen im Nied­rig­lohn­sektor über­leben« so ein lang­jäh­riger Bewohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Nun befürchten viele Mieter, dass durch das »Carré Sama-Riga« die Mieten in dem Kiez weiter steigen.

»Ein von der Bevöl­kerung und Unter­stützern durch­ge­setztes Bau­verbot für Inves­toren wäre für alle Gegner ein Grund zum Feiern«, heißt es in Flyern und auf Pla­katen, die im Stadtteil zu lesen sind. Denn in den ehemals besetzten Häusern in der Rigaer Straße und Umgebung gibt es noch linke Struk­turen, die den Wider­stand gegen den Neubau for­cieren wollen.

Doch man streitet über das Wie. So wird den Betreibern des Clubs Antje Øklesund, der auf dem Gelände sein Domizil hat, vor­ge­worfen, sich von der CG-Gruppe ein­spannen zu lassen, um das Image des Neubaus auf­zu­werten. Die Scheiben eines Pro­jekt­raums in der Rigaer Straße waren vor einigen Wochen ein­ge­schlagen worden. Hajo Toppius, der Geschäfts­führer des Vereins Stadt­raum­nutzung, der den Laden und den Club betreibt, erklärt gegenüber »nd«, dass es der Initiative darum gehe, zumindest die Rudi­mente einer Kiez­kultur auch in dem Neubau zu erhalten. Manchmal zweifle er selber, ob das gelingen könne. Unver­ständnis äußert Toppius, warum der Wider­stand erst jetzt beginnt. »Wir haben mehrere Jahre ver­sucht, im Kiez eine Dis­kussion über die Zukunft des Grund­stücks anzu­regen.« Gelän­de­be­ge­hungen, Aus­stel­lungen und Umfragen in der Nach­bar­schaft hätten wenig Resonanz gebracht. Jetzt sei der Bau­antrag so gut wie unter Dach und Fach und noch in diesem Sommer solle der Bau beginnen.

Peter Nowak