Freiburger Nachtleben: Kein Zutritt für Geflüchtete

Zutrittsverbote für Flüchtlinge in Clubs oder Bars und Schwimmbädern bedienen angesichts der gegenwärtigen Stimmung eine Stigmatisierung. Angebrachter wäre es, Verhaltensregeln besser zu vermitteln

Freiburg hat den Ruf, eine liberale Öko­pro­vinz­stadt zu sein. Aus­ge­rechnet dort haben Geflüchtete in zahl­reichen Dis­ko­theken und Clubs keinen Zutritt mehr. Wie die Badische Zeitung berichtete [1], habe es »Zwi­schen­fälle, dar­unter sexuelle Über­griffe auf Besu­che­rinnen« gegeben. Ange­zeigt wurden die Vor­fälle größ­ten­teils nicht, so der Bericht. Die Polizei habe keine Zunahme der Straf­taten in diesem Bereich fest­ge­stellt, heißt es dort.

(Ein Bericht der Frei­burger Polizei, der hier zuvor irr­tümlich erwähnt wurde, bezog sich auf einen anderen Vorfall [2] der sex­xu­ellen Beläs­tigung, außerhalb von Freiburg, begangen von einem »alko­ho­li­sierten Urlaubsgast« in Feldberg/​Schwarzwald).

[Link auf http://​www​.pres​se​portal​.de/​b​l​a​u​l​i​c​h​t​/​p​m​/​1​1​0​9​7​0​/​3​2​34088] [3]Der Genuss von Alkohol und anderer bei manchen Men­schen aggres­si­ons­hem­mende Sub­stanzen sind in allen Clubs und Dis­ko­theken die Regel. Zudem sind die Berichte, über oft ver­geb­liche Ver­suche, am Tür­steher vor­bei­zu­kommen, nun wahrlich Legion. Schon immer spielte dabei auch die Haut­farbe und die Natio­na­lität von Men­schen inof­fi­ziell eine Rolle.

In den letzten Jahren mussten Clubs öfter Strafe zahlen, wenn sie Men­schen auf Grund ihres nicht­deut­schen Aus­sehens den Ein­tritt in die Räum­lich­keiten ver­wehrten [4]. 2011 hat ein dun­kel­häu­tiger Mann Scha­den­ersatz bekommen, weil er nicht in eine Disko gelassen [5] wurde. Die Richter waren »über­zeugt, dass ihm der Ein­tritt ver­wehrt wurde, weil männ­liche Aus­länder nicht erwünscht waren«.

Harte Linie gegen Flüchtlinge

Eigentlich könnte man erwarten, dass der grüne Ober­bür­ger­meister von Freiburg, Dieter Salomon, auf das Dis­kri­mi­nie­rungs­verbot ver­weist und alles unter­nehmen wird, um es durch­zu­setzen. Doch längst hat der Rechts­po­pu­lismus zu einem Ero­dieren dieser ega­li­tären Grund­sätze bei­getragen. So werden in vielen Medien Geflüchtete pau­schal zu Ver­ge­wal­tigern gestempelt. Gewalt gegen Frauen und sexis­tische Anmache waren in Deutschland wohl nicht unbe­kannt. Nur will sich jetzt plötzlich niemand mehr erinnern, dass es immer wieder Pro­bleme mit alko­ho­li­sierten Männern gab und gibt.

Viel­leicht hätte Bür­ger­meister Salomon Ein­füh­rungs­kurse anregen können, in denen Geflüchtete über die Pro­ble­matik alko­hol­hal­tiger Getränke infor­miert werden. Denn es mag tat­sächlich so sein, das viele junge Men­schen aus ara­bi­schen Staaten kultur- und reli­gi­ons­be­dingt wenig Erfahrung mit dem Konsum von solchen Getränken haben und die Kon­se­quenzen nicht kennen. Dann müssten aber die Rechts­po­pu­listen zugeben, dass der von ihnen für alles Böse ver­ant­wortlich gemachte Islam an betrun­kenen, aggres­siven Männern nicht schuld sein kann.

Im Gegenteil können es die Erfah­rungen einer Befreiung aus einer religiös regle­men­tierten Welt sein, die auch Neben­folgen hat, mit denen die Men­schen umgehen lernen, wie es Men­schen aus unseren Breiten ja auch müssen. Doch davon fällt bei Salomon kein Wort, denn dann würde er in den Fokus der Popu­listen geraten. So kündigt [6] der grüne Ober­bür­ger­meister brav eine harte Linie gegen »kri­mi­nelle Flücht­linge« an. Damit trägt er mit zur Stig­ma­ti­sierung bei. Schließlich ist die Her­kunft und Natio­na­lität von aggres­siven Betrun­kenen rechtlich völlig gleich­gültig.

Bäderverbot nach wenigen Tagen aufgehoben

Schon zuvor hatte ein Bäder­verbot für männ­liche Flücht­linge im hes­si­schen Bornheim für Dis­kus­sionen gesorgt. Nach wenigen Tagen wurde es wieder auf­ge­hoben, wohl auch weil zahl­reiche Rechts­au­ßen­grup­pie­rungen der Stadt Bornheim ihre Zustimmung zukommen ließen. In der Zwi­schenzeit wurden Geflüch­teten die Regeln in deut­schen Bädern ver­mittelt.

Der Grund für das zeit­weise Bade­verbot waren Beschwerden von Besu­che­rinnen über Beläs­ti­gungen der unter­schied­lichsten Art. Auch hier soll daran erinnert werden, dass das aggressive Ver­halten vor allem männ­licher Jugend­licher meist in Frei­bädern seit Jahren ein großes Thema ist. Auch hier geht es also nicht primär um die Her­kunft.

Zudem sollten sich his­to­risch inter­es­sierte Men­schen sich daran erinnern, dass schon lange vor der NS-Zeiten den berühmten deut­schen Nord- und Ost­see­bädern Juden der Zutritt ver­boten [7] war. Es gab sogar Post­karten, auf denen sich ange­sehene Kur­bäder schon lange vor 1933 judenfrei erklärten. Das macht deutlich, dass solche Aus­gren­zungen am Beginn für weitere Stig­ma­ti­sie­rungen stehen können .

In Groß­bri­tannien ist die Sen­si­bi­li­sierung wohl größer als in Deutschland. Dort sorgten rote Arm­bänder, die Betreiber von Flücht­lings­un­ter­künften den Bewohnern gaben, angeblich um die Essens­ausgabe besser zu regeln, für Angriffe von Ras­sisten, aber auch für Empörung bei der Zivil­ge­sell­schaft [8] und einer Debatte im Lon­doner Unterhaus [9].

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​n​e​w​s​/​F​r​e​i​b​u​r​g​e​r​-​N​a​c​h​t​l​e​b​e​n​-​K​e​i​n​-​Z​u​t​r​i​t​t​-​f​u​e​r​-​G​e​f​l​u​e​c​h​t​e​t​e​-​3​0​8​4​0​5​9​.html

Peter Nowak

Links:

[1]

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/kein-zutritt-mehr-fuer-fluechtlinge-in-freiburgs-clubs-und-diskotheken–116454714.html

[2]

http://​www​.pres​se​portal​.de/​b​l​a​u​l​i​c​h​t​/​p​m​/​1​1​0​9​7​0​/​3​2​34088

[3]

http://​www​.pres​se​portal​.de/​b​l​a​u​l​i​c​h​t​/​p​m​/​1​1​0​9​7​0​/​3​2​34088

[4]

http://​www​.spiegel​.de/​u​n​i​s​p​i​e​g​e​l​/​s​t​u​d​i​u​m​/​d​i​s​k​r​i​m​i​n​i​e​r​u​n​g​-​d​i​s​c​o​-​m​u​s​s​-​1​0​0​0​-​e​u​r​o​-​s​c​h​m​e​r​z​e​n​s​g​e​l​d​-​z​a​h​l​e​n​-​a​-​9​1​6​8​0​3​.html

[5]

http://​www​.taz​.de/​!​5​1​0​5520/

[6]

http://​www​.spiegel​.de/​p​o​l​i​t​i​k​/​d​e​u​t​s​c​h​l​a​n​d​/​d​i​e​t​e​r​-​s​a​l​o​m​o​n​-​f​r​e​i​b​u​r​g​s​-​b​u​e​r​g​e​r​m​e​i​s​t​e​r​-​f​o​r​d​e​r​t​-​h​a​r​t​e​-​l​i​n​i​e​-​a​-​1​0​7​3​6​4​5​.html

[7]

http://​www​.his​-online​.de/​f​i​l​e​a​d​m​i​n​/​v​e​r​l​a​g​/​l​e​s​e​p​r​o​b​e​n​/​0​0​0​0​0​4​2​0​0​1.pdf

[8]

http://www.welshrefugeecouncil.org/news/25012016–1244/statement-on-red-wristbands