Abgeschoben in die Heimat der Eltern

Bis Mitte Dezember hatten Gzim und Ramiz Berisha den Alltag von Teen­agern in Han­nover. Sie gingen zur Schule und hatten einen großen Freun­des­kreis. Doch der 16. Dezember ver­än­derte ihr Leben grund­legend. In den frühen Mor­gen­stunden wurden die 13- und 15-jäh­rigen Schüler mit ihren Eltern in den Kosovo abge­schoben. Von dort waren diese Anfang der 90er Jahre geflohen.

Dass Jugend­liche, die in Deutschland geboren wurden und hier inte­griert sind, in die Her­kunfts­länder ihrer Eltern abge­schoben werden, ist kein Ein­zelfall. Allein am 16. Dezember wurden mit der Familie Berisha ins­gesamt 125 Men­schen aus Nie­der­sachsen zwangs­weise in die Bal­kan­länder depor­tiert. Dar­unter waren mehrere Kinder und Jugend­liche, die in Deutschland geboren wurden.

»Die Praxis ist durch die Gesetze in Deutschland leider gedeckt«, erklärt Anita Bur­chardt. Im Gegensatz zu anderen euro­päi­schen Ländern bekommt ein Mensch mit der Geburt in Deutschland nicht die hiesige Staats­bür­ger­schaft. Bur­chardt ist Pres­se­re­fe­rentin des Vereins Amaro Drom. Dort hatten sich auch Gzim und Ramiz Berisha enga­giert. Der Verein hat jetzt gemeinsam mit der Romaor­ga­ni­sation Amaro Drom eine Online­pe­tition für eine Rückkehr der beiden Jungen und ihr Blei­be­recht gestartet. Mitt­ler­weile wurde sie von über 2000 Men­schen unter­zeichnet.

»Wir wollen erreichen, dass die beiden Schüler in ihr altes Leben nach Deutschland zurück­kehren, aber wir wollen an Hand ihres Schicksals auch darauf hin­weisen, dass zurzeit im ganzen Bun­des­gebiet in Deutschland geborene Jugend­liche Angst haben müssen, von heute auf morgen in ein Land abge­schoben zu werden, zu dem sie keinen Bezug haben und dessen Sprache sie nicht kennen«, betont Bur­chardt.

Bei den in Deutschland gebo­renen Kindern gedul­deter Flücht­linge fällt die Duldung weg, wenn die Her­kunfts­länder ihrer Eltern als sicher ein­ge­stuft wurden. Die neue Abschie­be­welle ist die Folge einer Geset­zes­än­derung, mit der auch Kosovo zum sicheren Her­kunftsland erklärt wurde. »Sichere Her­kunfts­staaten sind eine poli­tisch begründete Erfindung, die durch eine poli­tisch-juris­tische Praxis anschließend ver­meintlich legi­ti­miert wird«, kri­ti­siert der Vor­sit­zende von Ter­nengo Drom e Romengo, Nino Nova­ković.

Petition unter: dasND​.de/​p​e​t​i​t​i​o​n​b​e​risha

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​9​5​6​3​6​.​a​b​g​e​s​c​h​o​b​e​n​-​i​n​-​d​i​e​-​h​e​i​m​a​t​-​d​e​r​-​e​l​t​e​r​n​.html

Peter Nowak