12 000 Unterschriften für das Café Leo

Unterstützer übergaben Petition an das Bezirksamt

Kreuzberg hat es vor­ge­macht: Nun setzen sich Anwohner in Wedding für den Erhalt eines für den Kiez am Leo­pold­platz wich­tigen Cafés ein. Tau­sende unter­zeich­neten eine Online-Pettion.

12 000 Unter­schriften hat Daniel Gol­lasch am Don­nerstag dem Bezirksamt Mitte über­geben. So viele Men­schen haben die von dem Grü­nen­po­li­tiker initi­ierte Petition mit der For­derung »Café Leo muss bleiben« unter­zeichnet. Dabei handelt es sich um einen mobilen Imbiss­wagen, aus dem Hüseyin Ünlü seit 2011 Snacks und alko­hol­freie Getränke ver­kauft. Zum Jah­resende soll damit Schluss sein. Das von Carsten Spallek (CDU) geführte Straßen- und Grün­flä­chenamt will die Son­der­nut­zungs­ge­neh­migung nicht mehr ver­längern. Spallek ver­weist auf die aktuelle Geset­zeslage, nach der in einer geschützten Grün­anlage ein Café-Betrieb nicht geneh­mi­gungs­fähig sei. Das Café sei in den letzten Jahren nur wegen seines »sozialen Son­der­stel­lungs­merkmals im Rahmen des Pro­jekts Leo­pold­platz« genehmigt worden, erklärte Spallek dem Bezirks­blatt »Ber­liner Woche«.

Das Café Leo wurde im Rahmen des Pro­gramms» Aktives Zentrum Mül­ler­straße« eröffnet und finan­ziert. Eigentlich war der Imbiss­wagen nur als Pro­vi­sorium gedacht. Geplant war die Errichtung eines festen Gebäudes mit Toi­letten. Doch dazu ist es bis heute nicht gekommen. Dass das Café Leo ersatzlos ver­schwinden soll, empört viele Men­schen aus der Nach­bar­schaft. Die Stadt­teil­in­itiative »mensch müller« fordert den Erhalt ebenso wie viele Anwohner. Gol­latsch, der in der Nähe des Leo­pold­platzes wohnt, hat die Petition initiiert. »Ohne das Café Leo würde es mit dem Leo­poldpatz wieder bergab gehen. Alle Anstren­gungen der letzten Jahre wären damit umsonst gewesen«, kom­men­tiert Walter Frey, einer der vielen Unter­zeichner, online die Petition.

Die Wed­dinger Stadt­teil­in­itiative »Hände weg vom Wedding« hat in den letzten Jahren kri­ti­siert, dass mit der Umge­staltung des Leo­pold­platzes auch eine Ver­drängung von ein­kom­mens­schwachen Men­schen ver­bunden ist. Auch poli­tische Stadt­teil­ver­an­stal­tungen waren auf Teilen des Leo­pold­platzes uner­wünscht. So unter­sagte die Naza­reth­kirche der Stadt­teil­in­itiative die Nutzung eines Areals, das ihr zur Ver­fügung gestellt wurde für eine Film­vor­führung. Sollte auch der Imbiss­wagen end­gültig ver­schwinden, würde der Leo­pold­platz für Men­schen mit geringen Ein­kommen noch unat­trak­tiver. Denn nicht alle können sich ein Getränk in den schicken Restau­rants und Cafés in der Umgebung leisten.

Die Unter­stützer des Cafés kün­digen weitere Aktionen an. Daniel Gol­lasch sagte im Gespräch mit dem »nd«, dass die Men­schen, die sich per Unter­schrift für den Erhalt des Café Leo ein­ge­setzt haben, auch auf die Straße gehen, wenn die Politik sich nicht bewegt. »Wenn Orte des Alltags und der Nach­bar­schaft ver­schwinden, setzen sich die Nachbarn besonders dafür ein.«

https://www.neues-deutschland.de/artikel/992070.unterschriften-fuer-das-café-leo.html

Peter Nowak