Martin Hohmann vor einem politischen Comeback?

Der frühere CDU-Abgeordnete, wegen einer antisemitischen Rede aus der Partei ausgeschlossen, kandidiert jetzt für die AfD

Um den ehe­ma­ligen CDU-Direkt­kan­di­daten aus dem ost­hes­si­schen Fulda war es in den letzten Jahren still­ge­worden. Dabei hat er 2003 kurze Zeit für viel Auf­merk­samkeit gesorgt. Nach einer all­gemein als anti­se­mi­tisch ein­ge­schätzten Rede [1] wurde Hohmann aus der Union aus­ge­schlossen. In der Rede for­derte er “Gerech­tigkeit für Deutschland“ und erklärte, wenn Deutschland wegen der NS-Ver­brechen zum Tätervolk gestempelt würde, müsse das auch für die Juden gelten. Damit spielte er auf jüdische Kom­mu­nisten und Revo­lu­tionäre bei der Okto­ber­re­vo­lution und in anderen revo­lu­tio­nären Pro­zessen an.

Bis zum Ende des Legis­la­tur­pe­riode 2005 saß er noch als par­tei­loser Abge­ord­neter im Bun­destag. Bei der Bun­des­tagswahl 2005 kan­di­dierte Hohmann als Unab­hän­giger mit dem von ver­schie­denen rechten Gruppen ver­wen­deten Motto Gott, Familie, Vaterland [2]. Er wurde auch nach seinen Aus­schluss aus der Union von ver­schie­denen Grup­pie­rungen rechts von der Union umworben. Hohmann ließ sich auch als Beob­achter bei ver­schie­denen Zusam­men­künften rechter Grup­pie­rungen sehen, war aber nicht zu einem Enga­gement in diesen Gruppen bereit. Dagegen betonte er immer wieder, dass er sich wei­terhin als Christ­de­mokrat ver­stehe und darum kämpfe, wieder in die Partei auf­ge­nommen zu werden. Nach einiger Zeit hat das Interesse an Hohmann abge­nommen.

Nun will er wieder in die Politik zurück. Gegenüber Ost­hes­sennews [3] kün­digte er an, als Nummer eins auf der Kreis­tags­liste in Fulda für die AfD kan­dieren zu wollen. Auch eine mög­liche AfD-Mit­glied­schaft schloss Hohmann nicht aus: »Ich sehe mich als Mit­glied von einem Team – alle sind gleich viel wert, auch wenn ich unbe­stritten die größte kom­mu­nal­pol­tische Erfahrung habe.« Mit­glied der AfD ist Hohmann noch nicht.

Man könnte sagen, ich befinde mich gerade in der Ver­lo­bungs­phase, bin aber zuver­sichtlich und werde bald eine Ent­scheidung treffen.

Zum Zeit­punkt äußerte er sich nicht. »Für die Kan­di­datur und auch die Wahl ist eine Mit­glied­schaft nicht not­wendig.«

Nimmt Hohmann Rache an Merkel?

In den Ost­hes­sennews heißt es, dass Hohmann im Land­kreis Fulda noch immer einen großen Unter­stüt­zer­kreis hat. Tat­sächlich ist dort die Union noch immer sehr stark von dem lang­jäh­rigen CDU-Rechts­außen Alfred Dregger geprägt, der bis zu seinem Tod stolz darauf war, in der deut­schen Wehr­macht gegen die Rote Armee gekämpft zu haben. Dregger gehörte auch zu den vehe­men­testen Gegnern der Aus­stellung über die Ver­brechen der Wehr­macht [4].

Hohmann war gleich in mehr­facher Hin­sicht Dreggers Nach­folger. Der Par­tei­aus­schluss hatte in der Fuldaer CDU nie eine Mehrheit und wurde vor allem von der Merkel-CDU durch­ge­setzt. Hoh­manns Anhänger ver­wiesen immer darauf, dass dessen inkri­mi­nierte Rede falsch inter­pre­tiert wurde. Er habe ja gerade die Juden nicht als Tätervolk bezeichnet, weil er auch für die Deut­schen diesen Ter­minus ablehnt.

Tat­sächlich aber zeigt der Wortlaut der Rede, bei der er sich positiv auf eine anti­se­mi­tische Schrift von Henry Ford beruft, viele Ele­mente des Anti­se­mi­tismus. Dass Hohmann als Ein­zel­kan­didat 2005 in Ost­hessen 39.000 Stimmen und damit 22 % bekommen hat, zeigt auch, dass er einen Unter­stüt­zer­kreis in der Region hat. Dass er gerade jetzt kan­diert, kann auch als Rache an der Merkel-CDU gewertet werden, die seinen Par­tei­aus­schluss stark vor­an­trieb.

Der Zeit­punkt ist bewusst gewählt. Große Teile der Union sind über Merkels Agieren in der Flücht­lings­krise ver­un­si­chert, manche drohen sogar mit offener Rebellion. Darauf spielt Hohmann an, wenn er als Grund für seinen Wie­der­ein­stieg in die aktive Politik angibt:

Die aktuelle Politik ist befremdlich und stellt Defizite dar. Ich kann da nicht einfach auf dem Sofa sitzen bleiben – das ist nicht meine Art.

So ist Hoh­manns Kan­di­datur für die AfD auch eine Auf­for­derung an andere Poli­tiker des rechten Par­tei­flügels. Zumindest manche Poli­tiker, die keine Kar­rie­re­chancen in der Union mehr haben, könnten sich ange­sprochen fühlen. Da wäre bei­spiels­weise die lang­jährige Ver­trie­be­nen­po­li­ti­kerin Erika Steinbach [5] zu nennen.

Die beken­nende Dregger-Anhän­gerin [6] in der Union hatte sich damals gegen Hoh­manns Aus­schluss aus­ge­sprochen [7], vor einigen Monaten aus der aktiven Politik zurück­ge­zogen und schon mehrmals deutlich gemacht, dass sie sich mit der aktu­ellen Politik unter Merkel wenig iden­ti­fi­ziert. Inter­essant dürfte auch die Reak­tionen auf Hoh­manns Kan­di­datur in der AfD sein, die ja immer betonte, dass sie mit Anti­se­mi­tismus in all seinen Formen nicht in Ver­bindung gebracht werden will.

Peter Nowak

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​n​e​w​s​/​M​a​r​t​i​n​-​H​o​h​m​a​n​n​-​v​o​r​-​e​i​n​e​m​-​p​o​l​i​t​i​s​c​h​e​n​-​C​o​m​e​b​a​c​k​-​2​8​6​6​6​3​4​.html

Links:

[1]

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​5​/​1​5​9​8​1​/​1​.html

[2]

http://​www​.mar​tin​hohmann​.de/

[3]

http://osthessen-news.de/n11515173/ex-mdb-martin-hohmann-kehrt-in-politik-zur%C3%BCck-als-nr-1-der-afd-im-kreis.html

[4]

http://​www​.jue​dische​-all​ge​meine​.de/​a​r​t​i​c​l​e​/​v​i​e​w​/​i​d​/​17514

[5]

http://​www​.erika​-steinbach​.de/

[6]

http://​www​.erika​-steinbach​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​/​i​n​_​d​e​r​_​P​o​l​i​t​i​k​.html

[7]