Pöbeln und wettern

RECHTE II Beim 28. „Abendspaziergang“ der Bärgida kam kaum Stimmung auf

Knapp 100 Men­schen haben sich am Mon­tag­abend zum 28. „Abend­spa­ziergang“ von Bärgida am Rande des Ber­liner Haupt­bahnhofs getroffen. Neben einigen Deutsch­land­fahnen zeigte vor allem die Iden­tiäre Bewegung auf der Kund­gebung gleich sie­benmal Flagge.
Ver­schiedene aus­schließlich männ­liche Redner pöbelten gegen „die linke SA“, die „grün ver­siffte Linke“, den „Gen­der­wahnsinn“ und die Orga­ni­sation Pro Familia, die legale Abtrei­bungen fördere, was von einem Redner als „Mas­senmord auf Rezept“ dif­fa­miert wurde. Ein Bärgida-Redner, der sich René nennt, echauf­fierte sich, dass er am ver­gan­genen Wochenende beim Tag der Offenen Tür in der Flücht­lings­un­ter­kunft Marzahn von Anti­fa­schis­tInnen am Betreten des Hauses gehindert wurde.

Ver­schwö­rungs­sze­narien

Ein Mann, der sich als Mario vor­stellte, ent­hüllte vor den mäßig inter­es­sierten Zuhö­re­rInnen ein glo­bales Ver­schwö­rungs­sze­nario. „US- Obama“ habe mit einer Rede in Kairo den Ara­bi­schen Frühling mit dem Ziel aus­gelöst, Europa mit Flücht­lingen zu über­schwemmen. Ein Ver­treter von PeGiDa Deutschland rief zur rechten Einheit auf und regte für die Bun­des­tags­wahlen 2017 eine Pegida-Kan­di­datur an.
Dabei bezog er sich auf die Ober­bür­ger­wahlen in Dresden, bei der eine Pegida-Kan­di­datin ein zwei­stel­liges Ergebnis erzielte. Das Publikum ver­folgte die Reden eher des­in­ter­es­siert. Stimmung kam nur kurz auf, als eine Gruppe von 20 rechten Hoo­ligans zu der Kund­gebung geleitet wurde. Sie wurde von Mode­rator und Mit­glied der rechts­po­pu­lis­ti­schen Partei „Pro Deutschland“ Karl Schmitt als „unsere lieben Sports­freunde“ begrüßt. Gra­tisbier gab es aller­dings erst, bevor sich der Zug Richtung Bran­den­burger Tor in Bewegung gesetzt hatte. Dort
hielt der Bun­des­vor­sit­zende der Kleinst­partei „Die Freiheit“ eine Abschlussrede, in der er gegen den Islam wet­terte.

Gegen­de­mons­tran­tInnen
Anti­fa­schis­tische Gegen­de­mons­tran­tInnen beglei­teten die Kund­gebung und wurden von der Polizei auf Abstand gehalten. Daran betei­ligten sich spontan auch einige Schü­le­rInnen, die in Berlin Urlaub machten und in dem Hostel logierten, das am Auf­taktort der Bärgida-Kund­gebung liegt.

Taz-Berlin, 15.7.2015

Peter Nowak