Solidarität in Logistik und Onlinehandel

Italienische Arbeiter zu Besuch beim Amazon-Streik

bekam am 30. März viel Applaus im Streikzelt der Amazon-Beschäf­tigten in Leipzig. Er hat im Rahmen einer Dele­gation der ita­lie­ni­schen Basis­ge­werk­schaft SI Cobas den Strei­kenden einen Soli­da­ri­täts­besuch abge­stattet und Grüße über­bracht. Bei einer Ver­an­staltung und einem Workshop in Berlin berich­teten die SI-Cobas-Gewerk­schafter, wie sie in den letzten Monaten im ita­lie­ni­schen Logis­tik­be­reich erfolg­reich Beschäf­tigte orga­ni­sieren und Tarif­ver­schläge abschließen konnten, die ihnen Lohn­er­hö­hungen und weniger Arbeits­hetze garan­tieren.

Die großen ita­lie­ni­schen Gewerk­schafts­ver­bände haben sich in einem Brief an die Logis­tik­un­ter­nehmer beschwert, dass diese mit der kleinen Basis­ge­werk­schaft bessere Tarif­ver­träge als mit ihnen abschließen. »Die haben nicht begriffen, dass diese Ver­träge kein Geschenk der Unter­nehmen sondern ein Ergebnis der kämp­fe­ri­schen Gewerk­schafts­po­litik ist«, meint Luzzi. Dass sich die Amazon-Beschäf­tigten und die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di mit ihren Arbeits­kampf gegen ihre Ein­stufung als Logis­tiker wehren und für den einen Tarif­vertrag nach den deutlich bes­seren Kon­di­tionen des Einzel- und Ver­sand­handels kämpfen, ver­stehen die ita­lie­ni­schen Kol­legen. »Über die Fein­heiten des deut­schen Tarif­rechts wissen die Amazon-Kol­legen am besten Bescheid. Doch wichtig ist uns, die spe­zi­fi­schen Kampf­be­din­gungen her­aus­zu­ar­beiten, der in der Logistik und im Online­handel unab­hängig von der tarif­lichen Ein­ordnung gilt«, erklären sie auf dem Workshop.

So haben die Strei­kenden im ita­lie­ni­schen Logis­tik­be­reich in den letzten Monaten die Tore der Unter­nehmen blo­ckiert und sie damit an einem neur­al­gi­schen Punkt getroffen. Wenn es Ver­zö­ge­rungen bei der Waren­aus­lie­ferung gibt, drohen hohe Ver­luste.

Amazon hatte seine Filiale im pol­ni­schen Poznan errichtet, um die Waren von dort aus­zu­liefern, wenn in Deutschland gestreikt wird. Die Gewerk­schafter betonten in Berlin, dass das Fehlen eines großen Maschi­nen­parks in dieser Branche eine län­der­über­grei­fende Soli­da­rität erleichtern könnte. Schließlich habe das Stand­ort­denken bei Beschäf­tigten der for­dis­ti­schen Schwer­industrie, das län­der­über­grei­fende Kämpfe erschwert, ihre Grundlage eben in dem Maschi­nenpark, der nicht so leicht zu ersetzen oder aus­zu­lagern ist. Doch wie sieht es mit der län­der­über­grei­fenden Soli­da­rität bei Amazon aus? Ermu­ti­gende Bei­spiele wurden auf der Ver­an­staltung genannt. So streikten vor Weih­nachten 2014 auch in Frank­reich Amazon-Beschäf­tigte und bezogen sich auf den Arbeits­kampf in Deutschland. Auch im Standort Poznan wächst die Unzu­frie­denheit. Ein Beschäf­tigter beschrieb die Stimmung im Werk Ende 2014 so: »Im Dezember drang die Unzu­frie­denheit der Leih­ar­beiter bei Amazon an die Öffent­lichkeit: Sie fingen an, sich wegen nicht pünktlich gezahlter Löhne, Unre­gel­mä­ßig­keiten bei der Berechnung der Löhne und über­füllter Kan­tinen an die lokalen Medien zu wenden.« Mitt­ler­weile sind zahl­reiche Beschäftige von Poznan in die kämp­fe­rische Basis­ge­werk­schaft Workers Initiative ein­ge­treten.

Peter Nowak