Schwarzer Freitag

»Rote Karte für die Betriebsräte« lautet ein Wer­be­spruch von Anwalts­firmen, die sol­vente Unter­nehmen beraten, wie Gewerk­schafter auf juris­ti­schem Wege bekämpft werden können. Mitt­ler­weile ist der zuge­hörige Begriff »Union Busting« auch in Deutschland bekannt. Am Samstag berieten Betroffene mit Juristen und linken Initia­tiven auf einer Kon­ferenz in Hamburg, wie man sich dagegen wehren kann. Jessica Reisner von der Initiative Arbeits­un­recht aus Köln, die in den ver­gan­genen Monaten einen wesent­lichen Beitrag zu den Pro­testen gegen Union Busting geleistet hat, zog ein opti­mis­ti­sches Fazit. Seminare, in denen der juris­tische Kampf gegen Gewerk­schafter gelehrt wird, würden öffentlich zunehmend kri­ti­siert.

Mit der Kam­pagne »Schwarzer Freitag« könnte sich das Reper­toire der Pro­teste aus­weiten. An jedem Freitag, der auf einen 13. fällt, sollen Firmen besucht werden, die sich beim Union Busting besonders her­vor­getan haben. Am 13. März traf es die Firma Neupack, deren Betriebs­rats­vor­sit­zender Murat Günes immer noch gegen seine Kün­digung kämpft. Der Arbeits­rechtler Daniel Weidman beklagte, dass viele Enga­gierte nicht nur von Bossen, sondern auch von Kol­legen ange­feindet würden. Eine laut­starke Min­derheit beschimpfe Gewerk­schafter und werfe ihnen vor, Unfrieden in den Betrieb zu bringen. In Hamburg kam mit Rainer Knirsch auch ein ehe­ma­liger BMW-Betriebsrat zu Wort, der in den Acht­zigern ent­lassen worden war. Auch damals gab es Cla­queure des Manage­ments. Doch enga­gierte Kol­le­ginnen und Kol­legen sowie ein Soli­da­ri­täts­ko­mitee sorgten damals für seine Wie­der­ein­stellung. Erfreu­liches hatte Oliver Rast aus der bisher gewerk­schafts­freien Zone Gefängnis zu ver­melden. Die im ver­gan­genen Jahr gegründete Gefangenen­ge­werk­schaft habe mitt­ler­weile über 400 Mit­glieder. Diese Meldung wurde mit Applaus begrüßt – obwohl Gefangene im Gewerk­schafts­alltag häufig nicht mit offenen Armen emp­fangen werden.

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Peter Nowak