KZ Sonnenburg

Das KZ und Zuchthaus Son­nenburg, im heu­tigen west­pol­ni­schen Slonsk gelegen, war lange Zeit ver­gessen. In den ersten Jahren der NS-Herr­schaft war der Ort als »Fol­ter­hölle Son­nenburg« welt­be­kannt. Im April 1933 wurden die ersten Häft­linge in das Lager ver­schleppt, über­wiegend Ber­liner Kommunist_​innen. Auch die drei bekannten linken Intel­lek­tu­ellen Carl von Ossietzky, Erich Mühsam und Hans Litten wurden in Son­nenburg gefoltert. Über den Empfang der Gefan­genen schrieb der kom­mu­nis­tische Wider­stands­kämpfer Klaas Meyer: »Es wurde mit allerhand Mord­werk­zeugen geschlagen, mir lief das Blut schon durch das Gesicht. (…) Die ganze Bevöl­kerung war ver­treten, wir wären Reichs­tags­brand­stifter. Eltern und Kinder schlugen nach uns und wir wurden ange­spuckt«. Während des Zweiten Welt­kriegs wurden Nazigegner_​innen aus ganz Europa nach Son­nenburg ver­schleppt. Die Ster­berate war hoch. Daniel Quaiser geht in seinen Aufsatz auf das Mas­saker ein, bei dem in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 ins­gesamt 819 Gefangene von der Gestapo erschossen wurden, kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee. Kamil Majrchrzak berichtet über die juris­tische Auf­ar­beitung der Ver­brechen in Polen. In der BRD hin­gegen wurden die für das Mas­saker ver­ant­wort­lichen SS-Männer Heinz Richter und Wilhelm Nickel 1971 vom Kieler Land­ge­richt frei­ge­sprochen. Mitt­ler­weile hat die pol­nische Justiz die Ermitt­lungen wieder auf­ge­nommen. Ein Grund mehr, sich an die Geschichte Son­nen­burgs und seiner Opfer zu erinnern.

http://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​0​3​/​1​5.htm

Peter Nowak

Hans Coppi und Kamil Majchrzak (Hg.): Das Kon­zen­tra­ti­ons­lager und Zuchthaus Son­nenburg. Metropol Verlag, Berlin 2015. 240 Seiten, 19 EUR.