Naziaufmarsch gestoppt

Flücht­lings­feind­liche Demons­tranten konnten nur wenige hundert Meter laufen

Bündnis »Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)« ist zufrieden mit zivil­ge­sell­schaft­lichem Enga­gement, unzu­frieden mit Poli­zei­gewalt bei Auf­lösung der Blo­ckaden.

Einige hundert Bürger hatten sich am Sonn­abend in der Nähe des Frank­furter Kleist­forums zur Blo­ckade ein­ge­funden. Schnell bildete sich eine Traube von Men­schen um drei Frauen und zwei Männer, die mit Flöte, Violine und Geige für gute Stimmung sorgten.

Viele trugen selbst­ge­malte Schilder, auf denen sie klar­machten, was sie von den Rechten halten, die sich einige Hundert Meter ent­fernt am Haupt­bahnhof ver­sam­melten. Viele zeigten den Slogan: »Alle Men­schen sind Aus­länder, fast überall.« Dieser Spruch war auch auf einen Trans­parent am Rathaus zu lesen. Junge Anti­fa­schisten, die mit dem Bus aus Neu­ruppin ange­reist waren, warben für eine anti­fa­schis­tische Demons­tration in ihrer Stadt am 6. Juni. An diesem Tag planen Neo­nazis den in Neu­ruppin soge­nannten Tag der deut­schen Zukunft.

Am Sonn­abend in Frankfurt (Oder) betei­ligten sich auch viele ältere Men­schen an den Gegen­ak­tionen. »Hier zeigt sich, dass der viel­ge­schmähte ver­ordnete Anti­fa­schismus aus DDR-Zeiten bei vielen Men­schen Wirkung gezeigt hat«, erklärte ein Mann. Auch ein kleiner stu­den­ti­scher Block hatte sich zur Blo­ckade am Bahnhof ein­ge­funden. Fahnen der Jusos waren dort ebenso zu erblicken wie die der Stu­den­ten­ver­ei­nigung dielinke.SDS. Nicht zu über­sehen mit ihren Fahnen in den vor­deren Reihen die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft ver.di. »Wir stehen hier für ein welt­of­fenes Frankfurt und weil wir ver­hindern wollen, dass Neo­nazis durch Frankfurt ziehen«, erklärte ver.di-Bezirksgeschäftsführer Frank Ploß. Die Kol­legen haben sich bewusst für die Blo­ckade ent­schieden, um die Rechten auf­zu­halten, sagte er.

Zur Mobi­li­sierung für die Blo­ckaden war vom Bündnis »Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)« Material in deut­scher und pol­ni­scher Sprache ver­breitet worden. Dem Bündnis zufolge betei­ligten sich etwa 800 Men­schen an den Pro­testen, mit dabei Finanz­mi­nister Christian Görke und Jus­tiz­mi­nister Helmuth Markov (beide LINKE), die Polizei sprach von 700. Der flücht­lings­feind­liche Nazis­auf­marsch wurde laut Polizei von 160 Per­sonen besucht, dar­unter in der Region bekannte Neo­nazis und der Bruder eines Ange­klagten im NSU-Prozess. Ihr Motto lautete: »Frankfurt (Oder) wehrt sich! Stopp den Asyl­miss­brauch.« Im Internet prangte dazu die mit »ein deut­scher Mensch« unter­schriebene Erklärung: »Ich distan­ziere mich hiermit von allen Idioten, die für Ausland und Aus­länder mehr übrig haben als für das Wohl des eigenen Landes und Volkes.« Zwei Schüler wollten sich dem Auf­marsch anschließen, »mit den Asy­lanten kann es so nicht wei­ter­gehen«, lautete ihre Begründung.

Nur einige hundert Meter konnten die Rechten laufen, bis sie umkehren mussten. Zufrieden äußerte Janek Lassau, der Sprecher des Bünd­nisses »Kein Ort für Nazis«: »In Frankfurt hat sich erneut die Stärke der anti­fa­schis­ti­schen Zivil­ge­sell­schaft gezeigt.« Vor einigen Wochen konnte bereits ein Auf­marsch gegen Flücht­lings­un­ter­künfte in der Stadt blo­ckiert werden. Kritik übte Lassau an über­trie­bener Gewalt der Polizei bei der Auf­lösung einiger Blo­ckaden, die es den Nazis ermög­lichte, zumindest eine kurze Strecke zu mar­schieren. Dabei sei es sogar zu Über­griffen auf den Laut­spre­cher­wagen der Nazi­gegner und auf das Kom­mu­ni­ka­ti­onsteam gekommen, das bei Kon­flikten ver­mitteln soll.

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Peter Nowak