Die Jagd auf Tsipras ist eröffnet

Zeitzeugen erinnern sich an die Schrecken von einst

GEDENKEN Ein Arbeitskreis sammelt die Geschichten von NS-Überlebenden und macht sie öffentlich

»Ich war der einzige Jude in der Klasse und wurde selbst von den Sechs­jäh­rigen sofort aus­ge­grenzt. Ich wurde geschlagen und bespuckt. Selbst Kinder, mit denen ich noch vor der Ein­schulung gespielt hatte, spielten jetzt nicht mehr mit mir.« So erlebte Horst Sel­biger, dessen Vater Jude war, seinen Schul­alltag 1934 in Berlin. Der 84-Jährige schildert sie in einem Interview, das der Arbeits­kreis »Fragt uns, wir sind die Letzten« in seiner fünften Bro­schüre ver­öf­fent­lichte.

Bisher wurden 25 Bio­grafien gesammelt

Gegründet wurde der Arbeits­kreis 2010 von Aktiven aus dem Umfeld der Ber­liner VVN-Bund der Anti­fa­schisten (VVN-BdA) und der Anti­fa­schis­ti­schen Initiative Moabit (AIM) mit dem Ziel, die Stimmen der letzten Über­le­benden des NS-Terrors auf­zu­zeichnen. »Alle sind aus der Generation der Nach­ge­bo­renen und auf die eine oder andere Weise anti­fa­schis­tisch aktiv«, erklärt ein Mit­glied des Arbeits­kreises, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Die bisher 25 Inter­views, die in fünf rund 65-sei­tigen Bro­schüren ver­öf­fent­licht wurden, können unter http://​fragtuns​.blog​sport​.de/​b​r​o​s​c​h​uere/ her­un­ter­ge­laden werden.

In der aktu­ellen Bro­schüre kommt auch Peter Perel zu Wort. Er wurde Zeuge der Mas­sen­er­schie­ßungen von Juden in seinem ukrai­ni­schen Hei­matdorf unmit­telbar nach dem Ein­marsch der deut­schen Wehr­macht. Zu lesen ist auch von Lore Diehl, die den schweren Alltag einer anti­fa­schis­ti­schen Familie in NS-Zeiten schildert. Als Kind einer sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Familie musste sie mit­er­leben, wie ihr Vater bereits 1933 in das Kon­zen­tra­ti­ons­lager Son­nenburg ver­schleppt wurde.

Lenin­grader Blo­ckade erlebt – und überlebt

Dorothea Paley über­lebte als Kind die Blo­ckade Lenin­grads durch die deutsche Wehr­macht. Die Frau lebt heute in Deutschland und hat den Ein­druck, dass viele Men­schen über eines der größten deut­schen Kriegs­ver­brechen in der ehe­ma­ligen Sowjet­union nicht infor­miert sind. Auch des­wegen sei es so wichtig, dass diese Erleb­nisse auf­ge­zeichnet werden.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2015%2F01%2F30%2Fa0127&cHash=06bc3a09c5859d02d7a60189aced111f

Peter Nowak

Flüchtlingshass in Zeiten von Pegida

Erzählungen der Kinder

Fünfte Veröffentlichung von Interviews mit Überlebenden des Nationalsozialismus

»Ich war der einzige Jude in der Klasse und wurde selbst von den Sechs­jäh­rigen sofort aus­ge­grenzt. Ich wurde geschlagen und bespuckt. Selbst Kinder, mit denen ich noch vor der Ein­schulung gespielt hatte, spielten jetzt nicht mehr mir.« So erlebte Horst Sel­biger, dessen Vater Jude war, seinen Schul­alltag im Jahr 1934 in Berlin. Heute enga­giert sich der 84-jährige Mann als Ehren­vor­sit­zender des Vereins Child Sur­viors. Seine Erleb­nisse im Natio­nal­so­zia­lismus berichtet Sel­biger in einem Interview, das der Arbeits­kreis »Fragt uns, wir sind die letzten« in seiner fünften Bro­schüre ver­öf­fent­lichte. In dem Verein haben sich ca. ein Dutzend Men­schen aus Berlin, Leipzig und Freiburg zusam­men­ge­funden, deren Anliegen es ist, die Stimmen der letzten Über­le­benden des NS-Terrors auf­zu­zeichnen. »Alle sind aus der Generation der Nach­ge­bo­renen und auf die eine oder andere Weise anti­fa­schis­tisch aktiv«, beschreiben sich die Aktiven des 2010 begon­nenen Pro­jekts. Gegründet wurde es von Aktiven aus dem Umfeld des Ber­liner VVN-Bund der Anti­fa­schisten (VVN-BdA) und der Anti­fa­schis­ti­schen Initiative Moabit (AIM). Mitt­ler­weile hat sich der Kreis der Aktiven erweitert.

»In den letzten Jahren sind wir in unserer poli­ti­schen Arbeit zunehmend damit kon­fron­tiert, dass Über­le­bende der NS-Ver­folgung sowie Men­schen aus dem anti­fa­schis­ti­schen Wider­stand sterben. Ihre Stimme besitzt in poli­ti­schen Debatten ein ein­ma­liges mora­li­sches Gewicht, nicht nur, wenn es um den Umgang Deutsch­lands mit den NS-Ver­brechen geht, sondern auch wenn aktu­eller Anti­se­mi­tismus, Ras­sismus und Sozi­al­chau­vi­nismus, Neo­na­zismus oder auch Kriegs­po­litik dis­ku­tiert werden«, begründet einer der Aktiven, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sein Enga­gement.

Die bisher 25 Inter­views, die in fünf etwa 65-sei­tigen Bro­schüren ver­öf­fent­licht wurden, decken eine große Palette von Ver­folgung und des Wider­stand ab. So kommt in der kürzlich erschie­nenen fünften Bro­schüre neben Horst Sel­biger auch Peter Perel zu Wort. Er wurde Zeuge der Mas­sen­er­schie­ßungen von Juden in seinem ukrai­ni­schen Hei­matdorf unmit­telbar nach dem Ein­marsch der deut­schen Wehr­macht. Der von den Nazis als Halbjude dekla­rierte Heinz Bachmann berichtet, wie sich die anti­se­mi­tische Politik der Nazis von den ersten Boy­kott­ak­tionen bis zu den Pogromen im November 1938 radi­ka­li­sierte. Lore Diehl schildert den schweren Alltag einer anti­fa­schis­ti­schen Familie im NS. Sie erlebte als Kind einer sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Familie, wie ihr Vater bereits 1933 in das Kon­zen­tra­ti­ons­lager Son­nenburg ver­schleppt wurde. Dorothea Paley über­lebte als Kind die Blo­ckade Lenin­grads durch die deutsche Wehr­macht. Sie habe den Ein­druck, dass viele Men­schen über eines der größten deut­schen Kriegs­ver­brechen in der ehe­ma­ligen Sowjet­union nicht infor­miert sind.

Weitere Bro­schüren des ehren­amtlich arbei­tenden Vereins sind in Planung.

fragtuns​.blog​sport​.de/​b​r​o​s​c​h​uere/

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​5​9​9​1​8​.​e​r​z​a​e​h​l​u​n​g​e​n​-​d​e​r​-​k​i​n​d​e​r​.html

Peter Nowak

Dem Weltwirtschaftsforum gehen Kritiker aus

Streiksolidarität

Peter Nowak zu den Ama­zon­pro­testen
»Und, hast du schon alle deine Weih­nachts­ge­schenke gekauft? Kein Problem, die kannst du ja immer noch bei Amazon bestellen? Internet-Shopping ist Teil unserer aller Alltag geworden – doch nur wenige haben sich je Gedanken darüber gemacht, dass auch hinter diesem Teil der Wirt­schaft Arbei­te­rInnen stehen, die tag­täglich die Pakete packen, Waren zusam­men­suchen, usw. Sie tun dies unter äußerst pre­kären Bedin­gungen: sie ver­dienen nur wenig, werden ständig über­wacht und haben selten unbe­fristete Ver­träge. Für viele von ihnen ist Weih­nachten die Zeit, vor der sie sich fürchten müssen, weil ihnen dann gekündigt wird, um einer neuen Riege unbe­fris­teter Arbei­te­rInnen Platz zu machen. Und dies alles, während Amazon kaum Steuern zahlt, kleine Verlage aus dem Markt drängt und ein de facto Buch­mo­nopol errichtet.“
Von der Gewerk­schaft ver.di pro­du­zierte Infor­ma­ti­ons­flyer mit dieser Bot­schaft wurden im Dezember in den Fuß­gän­ger­zonen meh­rerer deut­scher Städte häu­figer ver­teilt. Poten­ti­ellen Kun­dInnen sollten damit auf die For­de­rungen der Beschäf­tigten bei Amazon auf­merksam gemacht werden. Damit sollte auch Ver­ständnis geweckt werden, wenn es in den Nach­richten mal wieder heißt, bei Amazon wird gestreikt. Dabei wird oft sofort gefragt, ob jetzt womöglich die Plakate ver­spätet ankommen. Mit den Info­blättern wird der Fokus wieder auf die Men­schen und ihre Arbeits- und Lebens­be­din­gungen gelenkt, die es erst möglich machen, dass die Pakete pünktlich geliefert werden.
An der Ver­teil­aktion sind nicht nur Gewerk­schaf­te­rInnen beteiligt. Ein Bündnis aus linken Gruppen hat es bei­spiels­weise in Berlin über­nommen, auf ver­schie­denen Weih­nachts­märkten die Flyer zu ver­teilen und mit den Pas­san­tInnen darüber zu reden, wieso Amazon-Kun­dInnen mit den For­de­rungen der in dem Unter­nehmen Beschäf­tigten soli­da­risch sein sollen. Dazu hatte sich ein Streiksoli-Bündnis gegründet. Während das Soli­bündnis Flyer ver­teilt, betei­ligen sich die Soli­da­ri­täts­bünd­nisse aus Frankfurt/​Main an einer Blo­ckade vor dem Amazon-Standort Bad Hersfeld. Damit soll ver­hindern werden, dass der Streik unter­laufen wird.
Ein Leuchtturm im Osten
Vorbild ist das Bündnis Streiksoli in Leipzig, das bereits im letzten Jahr anlässlich der Streiks in den dor­tigen Amazon-Standort mit den Beschäf­tigten Kontakt auf­ge­nommen hatte. Das Bündnis unter­stützt Kund­ge­bungen, ver­teilte Flyer an poten­tielle Amazon-Kun­dInnen und half so mit, in der Gesell­schaft für den Streik zu werben. Schnell gab es auch in anderen Städten Interesse an einer Streik­so­li­arbeit nach dem Leip­ziger Vorbild. Am letzten Juni-Wochenende 2014 wurden in Leipzig auf den ersten bun­des­weiten Streiksoli-Treffen die Grund­lagen für eine Koope­ration gelegt. Mitte November gab es ein Fol­ge­treffen in Frankfurt/​Main, an dem Ver­tre­te­rInnen aus Leipzig und , Hamburg teil­nahmen.
Dort wurden im Detail durchaus Unter­schiede erkennbar.Soll lediglich ein bun­des­weites Netzwerk der Streik­so­li­da­rität auf­gebaut werden, wie es vor allem dem Bündnis Streik-Soli-Leipzig vor­schwebte? Oder soll sich das Bündnis auch ein kurzes Selbst­ver­ständnis geben, wie es vor allem die Gruppe Antifa Kritik und Klas­sen­kampf (AKK) aus Frankfurt/​Main vor­schlug? Neben diesen Dif­fe­renzen in orga­ni­sa­to­ri­schen Fragen stehen auch poli­tische Unter­schiede, die aller­dings nicht so klar aus­ge­sprochen werden. Soll die Streik­so­li­da­rität in engem Bündnis mit DGB-Gewerk­schaften koope­rieren? Doch wie soll sie reagieren, wenn die Gewerk­schafts­vor­stand wie so oft in der Ver­gan­genheit, einen Arbeits­kampf gegen den Willen eines rele­vanten Teils der Beschäf­tigten beenden wollen und dabei Zuge­ständ­nisse an die Kapi­tal­seite macht, die von großen Teilen der Basis abge­lehnt werden? Die AKK erklärte in der Dis­kussion, die Streik­so­li­arbeit sollte die Selbst­or­ga­ni­sierung der Lohn­ab­hän­gigen zum Ziel haben, was mit dem gewerk­schaft­lichen Agieren über­ein­stimmen kann aber nicht muss.. Die Debatte wird sicherlich beim nächten Treffen bun­des­weiten Treffen, das im Frühjahr 2015 in Bad Hersfeld, einem der Zentren des Amazon-Streiks statt­finden soll, fort­ge­setzt werden.
aus express – Zeitung für sozia­lis­tische Betriebs- und Gewerk­schafts­arbeit

http://​www​.express​-afp​.info/​n​e​w​s​l​e​t​t​e​r​.html
Peter Nowak

Brandstifter Tsipras, weil er nicht bei den Armen sparen will

»Die Berichte weitertragen«

Die Initiative 27. Januar erinnerte an den 70. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz

Der Ber­liner Verein »Initiative 27. Januar« hat dazu auf­ge­fordert, die Erin­nerung an die Schoa auf­recht­zu­er­halten. »Wir alle stehen in der Ver­ant­wortung, die Berichte der Schoa-Über­le­benden wei­ter­zu­tragen«, sagte Marina Rent­schler von der Initiative am Don­nerstag bei der Gedenk­ver­an­staltung »Das Ver­mächtnis der Zeit­zeugen – unsere Ver­ant­wortung«.

An der Ver­an­staltung anlässlich des 70. Jah­res­tages der Befreiung des KZs Auschwitz am 27. Januar nahmen unter anderem der israe­lische Bot­schafter Yakov Hadas-Han­delsman, die Stell­ver­tre­tende Vor­sit­zende der CDU/CSU-Bun­des­tags­fraktion und Vize­prä­si­dentin der Deutsch-Israe­li­ti­schen Gesell­schaft, Gitta Con­nemann, sowie der Vor­sit­zende der Jüdi­schen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, teil.

In einer bewe­genden Rede schil­derte die in der Ukraine gebo­renen Schoa-Über­le­bende Assia Gorban, wie sie als Kind mit ihren Eltern und Ver­wandten in das Kon­zen­tra­ti­ons­lager Pet­schora depor­tiert wurde. Dort hatte sie Unfass­bares ertragen müssen, berichtete sie den rund 300 Gästen im Fran­zö­si­schen Dom in Berlin.

»Doch wie durch ein Wunder habe ich Ghetto und KZ überlebt«, sagte Gorban – und richtete sich an die junge Generation: »Erinnert euch an uns, die wir überlebt haben. Erinnert euch aber auch an die vielen, die nicht überlebt haben.«

Enga­gement Die »Initiative 27. Januar« ist ein über­kon­fes­sio­neller Zusam­men­schluss von Bürgern und Orga­ni­sa­tionen, die sich seit 2009 für das christlich-jüdische und deutsch-israe­lische Ver­hältnis enga­gieren.

Zusätzlich zu den Gedenk­ver­an­stal­tungen orga­ni­siert und unter­stützt der Verein Pro­jekte zur Erin­nerung an den Holo­caust, zur Bekämpfung des Anti­se­mi­tismus und zur För­derung der deutsch-israe­li­schen Bezie­hungen.

http://​www​.jue​dische​-all​ge​meine​.de/​a​r​t​i​c​l​e​/​v​i​e​w​/​i​d​/​21313

Peter Nowak