Senat lässt Gartenkolonie plattmachen

PROTEST Die Polizei räumt die besetzten Gärten in der Beermannstraße. Anwohner wollen weiterkämpfen

Nach knapp 24 Stunden war die Besetzung der Gar­ten­ko­lonie in der Beer­mann­straße in Treptow beendet. Nachdem die Polizei die Beset­ze­rInnen zur Räumung auf­for­derte und zum Ausgang drängte, gingen die meisten der zirka 30 Akti­vis­tInnen frei­willig, um eine Anzeige zu ver­meiden. Einige hatten sich zuvor auf dem Gelände ver­teilt und Parolen skan­diert. Ein Mit­glied der Umwelt­or­ga­ni­sation Robin Wood, das sich mit einem dicken Schlafsack in einen Baum gesetzt hatte, wurde von der Feu­erwehr geborgen. Am Sonn­tags­nach­mittag hatte Robin Wood gemeinsam mit der Trep­tower Stadt­teil­in­itiative Karla Pappel die Gar­ten­anlage besetzt (taz berichtete), die dem Wei­terbau der A 100 weichen soll.

Mit der Besetzung sollte die Debatte, ob Berlin die Stadt­au­tobahn wirklich braucht, wie­der­eröffnet werden. »Eine Mas­sen­be­wegung haben wir mit der Besetzung nicht geschaffen«, resü­miert Peter Schwarz von Robin Wood gegenüber der taz. So scheinen auch viele Akti­vis­tInnen der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken, der Resonanz auf die Besetzung nach zu urteilen, dem Kampf um die Gar­ten­anlage wenig Bedeutung bei­gemessen haben.

Unter­stützung bekamen die Beset­ze­rInnen jedoch von den ehe­ma­ligen Gar­ten­be­sit­ze­rInnen. »Ich kann mir immer noch nicht vor­stellen, dass der Garten ver­loren ist«, sagte ein Rentner, der den Beset­ze­rInnen am Mon­tag­morgen heißen Kaffee brachte. Eine Gar­ten­be­sit­zerin bekam Wein­krämpfe, als Bau­ar­bei­te­rInnen die Gar­ten­lauben weg­rissen.

Ent­eignung durch Senat

»Jetzt beginnt der Kampf um die Woh­nungen, die in der Beer­mann­straße der A 100 weichen sollen«, sagte Umwelt­ak­tivist Peter Schwarz. Den zehn Miet­par­teien, die noch in den Woh­nungen des für den Abriss vor­ge­sehen Hauses in der Beer­mann­straße 22 wohnen, droht die Ent­eignung durch den Senat. Sie hatten die Besetzung der Klein­gar­ten­anlage eben­falls unter­stützt, einige haben Gärten dort. »Am Mittwoch sollen die Bäume in unseren Gärten gefällt werden, aber wir lassen uns davon nicht ein­schüchtern«, erklärte eine Mie­terin gegenüber der taz. »Das ist ein Angriff auf die Mie­te­rInnen«, erklärte ein Mit­glied der Stadt­teil­in­itiative Karla Pappel. Der Senat wolle jetzt in der Beer­mann­straße alles platt­machen, weil er befürchtet, dass die Kritik an der A 100 wieder wächst. Hier solle eine neue Dis­kussion ver­hindert werden, die mit der Besetzung ange­stoßen werden sollte.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2014%2F12%2F03%2Fa0131&cHash=e5dd189d08e69af06b02aa3a81099665

Peter Nowak