Begehung mit öffentlicher Anteilnahme

A100 Auch Kleingärtner in Treptow müssen der Autobahn weichen – und hoffen auf höhere Abfindungen

»Ich wohne seit 1987 hier und der Garten ist mein Leben. Jetzt soll ich hier ver­trieben werden«, empört sich Erika Gutwirt. Die rüstige Rent­nerin steht vor dem Eingang ihres grünen Domizils in der Klein­gar­ten­anlage in der Beer­mann­straße in Treptow. Die soll der geplanten Ver­län­gerung der A100 weichen.

Am Mittwoch hatten sich um 11 Uhr Mit­ar­bei­te­rInnen der Senats­ver­waltung ange­meldet, um die Übergabe der Gärten vor­zu­be­reiten. »Das ist kein öffent­licher Termin«, rief ein auf­ge­brachter Behör­den­mit­ar­beiter, als er etwa 50 Men­schen vor dem Eingang der Gar­ten­anlage ver­sammelt sah. Neben Gar­ten­be­sit­ze­rInnen hatten sich auch Akti­vis­ten­Innen der Trep­tower Stadt­teil­in­itiative Karla Pappel ein­ge­funden.

»Die Begehung der Gärten durch die Behörden ist eine öffent­liche Ange­le­genheit, und des­wegen wollen wir sie beob­achten«, begründete eine Akti­vistin die Unter­stützung.

Zuerst wussten einige Gar­ten­be­sit­ze­rInnen nicht, ob sie sich über so viel Öffent­lichkeit freuen sollten. Manche befürch­teten, die Begehung werde abge­brochen. Später aber bedankten sich mehrere Gar­ten­be­sit­ze­rInnen für die Unter­stützung. Schließlich wurde bei der Begehung ver­kündet, dass mög­li­cher­weise noch einmal über die Höhe der Abfin­dungen dis­ku­tiert werde, die die Klein­gärtner erhalten sollen. »Wir mussten uns selbst um einen neuen Garten und den Umzug kümmern. Von Ent­schä­digung kann also keine Rede sein«, monierte man in der Familie Zentgraf, die seit über zehn Jahren eine Gar­ten­par­zelle mit acht alten Bäumen in der Beer­mann­straße hatte.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2014%2F11%2F13%2Fa0196&cHash=2074f510b0d0cf4a153a2caf0e2f15a0

Peter Nowak