Film zu »Occupy«

Vor einen Jahr schien die Occupy-Bewegung ständig zu wachsen. In vielen Ländern hatten Men­schen zen­trale Plätze besetzt, um gegen die Wirt­schaft- und Finanz­po­litik zu pro­tes­tieren. Mitt­ler­weile sind fast alle Plätze geräumt und um Occupy ist es ruhig geworden. Trotzdem ist »Take the Square«, die neueste Arbeit des öster­rei­chi­schen Fil­me­ma­chers Oliver Ressler, kei­neswegs inak­tuell. Wie schon in seinem frü­heren Filmen über andere soziale Bewe­gungen ver­bindet Ressler in »Take the Square« eine soli­da­rische Bezug­nahme mit einem kri­ti­schen Blick hinter die Kulissen. In dem 80-minü­tigen Film kommen Akti­visten aus Spanien, Grie­chenland und den USA zu Wort. Die Inter­view­se­quenzen werden unterlegt mit Aus­schnitten von Demons­tra­tionen und Kund­ge­bungen. Nicht immer passen sie zusammen.

Während die jungen pre­kären Intel­lek­tu­ellen aus Spanien über ihre Distanz zu Groß­or­ga­ni­sa­tionen wie den Gewerk­schaften reden, sind im Hin­ter­grund Aus­schnitte einer Occupy-Demons­tra­tionen mit zahl­reichen Gewerk­schafts­fahnen zu sehen. Leider wird dieser Wider­spruch im Film nicht the­ma­ti­siert. Inter­essant wäre es auch gewesen, gewerk­schaft­liche Akti­visten in die Gespräche ein­zu­be­ziehen, zumal auch in Spanien die Occupy-Bewegung, nachdem sie von der Polizei von den Plätzen ver­trieben wurde, neben der Bewegung gegen Woh­nungs­räu­mungen zunehmend gewerk­schaft­liche Kämpfe unter­stützt hat.

Resslers grie­chi­schen Gesprächs­partner kommen aus linken Zusam­men­hängen und haben sich mit ihren poli­ti­schen Erfah­rungen in die Athener Bewegung der Empörten ein­ge­klinkt. Sie ziehen eine wesentlich kri­ti­schere Bilanz über den poli­ti­schen Erfolg als die spa­ni­schen Akti­visten. Offen werden die Pro­bleme ange­sprochen, Men­schen aus der Nach­bar­schaft, die sich über die Bewegung poli­ti­siert haben, län­ger­fristig zu halten.

Die Aus­schnitte aus den USA zeigen den Beginn der Occupy-Bewegung. »Ihr habt die Macht, wenn ihr nur zusam­men­haltet«, ver­sucht ein rhe­to­risch begabter Redner den Men­schen Mut zu machen.« Auch hier hätte man sich eine größere Vielfalt in der Wahl der Gesprächs­partner gewünscht. Trotz dieser Ein­wände muss man Ressler beschei­nigen, einen guten Ein­blick in das Innen­leben der Occupy-Bewegung gegeben zu haben. Deutschland spielt im Film keine Rolle, weil hier die Occupy-Bewegung nie die Bedeutung wie in den vor­ge­stellten Ländern erreicht hatte.

»Take The Square«, 80 Minuten: Oliver Ressler, Di. 30.10. um 17:30 und Mi. 31.10. um 19 Uhr im Licht­blickkino, Kas­ta­ni­en­allee 77

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Peter Nowak