Proeuropäische Marktnische

EURO­PA­medien: Inter­net­ma­gazin »The European« jetzt auch als Print­zeitung

»Warum gibt’s eigentlich keine euro­päische Tages­zeitung?« Mit dieser Frage begann 2007 in einem Pariser Park die Idee einer Zeitung, die nicht mehr aus natio­naler, sondern aus euro­päi­scher Per­spektive berichtet.« So zumindest schildert der Jour­nalist Tobias Sauer die Ent­ste­hungs­ge­schichte eines Medi­en­pro­jekts, das seit drei Jahren als Inter­net­ma­gazin fir­miert und seit wenigen Tagen auch am Kiosk als Print­ausgabe erworben werden kann. Auf der Titel­seite der ersten Ausgabe des »European« weist die Über­schrift »Utopia – Unsere Welt in 100 Jahren« weit in die Zukunft. Die Themen der Ausgabe ori­en­tieren sich hin­gegen auf die nähere Zukunft. Da wird eine Vor­aus­schau auf die USA im Jahr 2016 gewagt und für eine mög­liche Koalition zwi­schen Union und Piraten mit der »Hal­loween-Koalition« schon ein neuer Begriff kreiert.

Die Zei­tungs­macher betonen ihre par­tei­po­li­tische Unab­hän­gigkeit. »Von Sahra Wagen­knecht, Gregor Gysi über Cem Özdemir, Christian Wulff und Erika Steinbach sind Ver­treter aller im Bun­destag ver­tre­tenen Par­teien in dem Debat­ten­ma­gazin zu finden«, heißt es in einer Redak­ti­ons­notiz. »Den argu­men­ta­tiven Diskurs gewinnt der, der wahr­haftig und wohl­be­gründet seinen Stand­punkt ver­tritt. Diese Dis­kur­si­vität ist ein wich­tiges Kenn­zeichen der euro­päi­schen Geistes- und Kul­tur­ge­schichte«, begründet dies die Redaktion.

Doch bei aller Dis­kurs­freu­digkeit hat das Projekt klare poli­tische Grund­sätze vor allem auf sozi­al­po­li­ti­schem Gebiet. So hat der »European«-Chefredakteur Alex­ander Görlach in einem Posi­ti­ons­papier klar­ge­stellt, dass in der Zeitung nicht über die Höhe der Hartz-IV-Sätze, wohl aber über den Wert der Arbeit dis­ku­tiert werde. Dort bekannt er sich auch zu einem euro­päi­schen Eli­ten­projekt. »Bei The European sollen Ent­scheider zu Wort kommen, deren Stimmen wirklich wichtig sind«, skiz­zierte er die Ziel­gruppe.

Dass sich die Zeitung nicht an Europas Prekäre und Erwerbslose wendet, wird auch im Preis deutlich. Die Print­ausgabe kostet acht Euro. Geplant ist eine vier­mo­natige Erschei­nungs­wiese in einer Auflage von 50 000 Exem­plaren. »Wir glauben, dass das Projekt kom­mer­ziell über­le­bens­fähig sein muss. Leute müssen bereit sein, dafür Geld zu bezahlen«, begründet Daniel Freund den hohen Preis.

Ob es die zahl­kräf­tigen Leser für das euro­päische Eli­ten­projekt findet, ist offen. Davon aber wird abhängen, ob Gör­lachs Wunsch in Erfüllung geht, der »The European« zwi­schen den Maga­zinen »Cicero« und »Brand Eins« ver­orten möchte.

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Peter Nowak


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