Wo sind die Stipendiaten?

»Sti­pen­diaten, wo seit Ihr?« Nicht nur »spiegel-online« stellte diese Frage in den letzten Tagen, nachdem das Sta­tis­tische Bun­desamt kürzlich erste Daten über das Deutsch­land­sti­pendium ver­öf­fent­licht hat. Es war vor einem Jahr als Renom­mier­projekt des Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­riums gestartet worden. Begabte Stu­die­rende sollten 300 Euro monatlich unab­hängig von ihrer sons­tigen sozialen Lage bekommen. Nach einem Jahr zeigt sich, dass das Deutsch­land­sti­pendium kaum nach­ge­fragt wird. Gerade mal 5400 Kom­mi­li­tonen nahmen es in Anspruch. Vor einem Jahr war noch von 150 000 Stu­die­renden die Rede, die davon pro­fi­tieren könnten.

Trotzdem mag eine Spre­cherin des Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­riums in diesen Zahlen kein Scheitern des Pro­jekts erkennen und schwärmt gar vom »Beginn einer neuen Sti­pen­di­ums­kultur«. Erik Mar­quardt vom stu­den­ti­schen Dach­verband fzs kommt zu einem ganz anderen Schluss. »Das Deutsch­land­sti­pendium ist gescheitert«, stellt der stu­den­tische Verband in einer Pres­se­mit­teilung fest. Neben der geringen Nach­frage wird moniert, dass Uni­ver­si­täten gegenüber den Fach­hoch­schulen und Natur- und Wirt­schafts­wis­sen­schaften gegenüber den Geis­tes­wis­sen­schaften bei der Sti­pen­di­ums­vergabe bevorzugt werden.

Beim Deutsch­land­sti­pendium handelt es sich um eine Form der Eli­ten­för­derung. Für Kom­mi­li­tonen mit finan­zi­ellen Rück­lagen mögen die 300 Euro eine will­kommene Ergänzung sein, Stu­die­rende mit geringen Ein­kommen können davon aber nicht leben. Die Anregung des fzs, die Gelder des Deutsch­land­sti­pen­diums in eine Bafög-Erhöhung umzu­leiten, ist vom Stand­punkt der sozialen Gerech­tigkeit richtig. Trotzdem dürfte er bei Bun­des­bil­dungs­mi­nis­terin Annette Schavan auf taube Ohren stoßen.
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Peter Nowak