»Wir haben es schon lange satt«

Am Don­nerstag pro­tes­tierten Kan­ti­nen­be­schäf­tigte der Firma Eurest gegen schlechte Arbeits­be­din­gungen
Bei der Cate­ring­firma Eurest ist die Stimmung schlecht. Das gilt nicht nur bei den Arbeits­be­din­gungen, Streit gibt es auch über die Frage der Orga­ni­sierung.

»Nach der Arbeit bei Eurest gehen wir noch putzen, um unseren Kindern auch einmal etwas kaufen zu können«, erklärt eine Beschäf­tigte der Cate­ring­firma. Doch die Beleg­schaft belässt es nicht bei diesen Klagen, am Don­nerstag haben sie mit einem Akti­onstag ihren Protest auf die Straße getragen. Demons­tra­tionen gab es unter anderem in Köln und Frankfurt am Main, aber auch in London und New York.

Besonders aktiv sind die Kan­ti­nen­be­schäf­tigen bei der Com­merzbank in Frankfurt am Main. Zu ihren zen­tralen For­de­rungen, die am Don­nerstag auf Trans­pa­renten zu lesen waren, gehört die Über­nahme aller Kan­ti­nen­be­schäf­tigten der von Schließung bedrohten Filialen der Com­merzbank und ein Ende der Aus­la­gerung. »Die Com­merzbank soll ihre Kan­tinen wieder selbst betreiben«, fordert Betriebsrat Harald Stubbe. Er hatte 2008 für Auf­sehen gesorgt.

Unzu­frie­denheit mit der Bran­chen­ge­werk­schaft

Der lang­jährige Betriebs­rats­vor­sit­zende der Eurest-Kantine bei der Com­merzbank Frankfurt am Main war nach 20 Jahre Mit­glied­schaft in der Gewerk­schaft Nahrung, Genuss, Gast­stätten (NGG) zur Gewerk­schaft Indus­trial Workers of the World (IWW) über­ge­treten. Auch andere aktive Kol­legen wech­selten die Gewerk­schaft. Hin­ter­grund war ihre Unzu­frie­denheit mit dem zwi­schen Eurest und der NGG aus­han­delten Haus­ta­rif­vertrag. Seitdem ist die IWW, die in Deutschland vorher kaum in Erscheinung getreten war, aber in den USA als Woo­blies bekannt ist, im Kampf der Kan­ti­nen­be­schäf­tigten ein wich­tiger Akteur. Auch der Akti­onstag am Don­nerstag war von der IWW in ver­schie­denen Ländern unter­stützt worden.

Eurest als große, glück­liche Familie? Redner wiesen auf der Kund­gebung in Frankfurt am Main diese offi­zielle Fir­men­ideo­logie zurück: »Wir haben das zunächst geglaubt. Dann haben sie die Springer abge­schafft und wir haben deren Arbeit mit­ge­macht, wenn jemand fehlte. Wir arbei­teten immer schneller. Wir haben sogar gear­beitet, wenn wir krank waren. In einer Familie – so dachten wir – hilft man sich gegen­seitig«, brachte eine Kan­ti­nen­mit­ar­bei­terin unter Applaus die Stimmung großer Teile der Beleg­schaft auf den Punkt. Andere beklagten sich über Bespit­ze­lungen und Schi­kanen der Beleg­schaft.

In wei­teren Rede­bei­trägen wurde deutlich, dass es diese Pro­bleme nicht nur bei Eurest gibt. »Ob der Arbeit­geber Eurest, Aramark, Sodexo oder sonst wie heißt, ist uns egal. Sie zahlen alle zu wenig«, wurden auch die Arbeits­be­din­gungen anderer Cate­ring­firmen kri­ti­siert.
Streit um kos­ten­loses Kan­ti­nen­essen

Und auch die Gewerk­schaft NGG wurde von der Kritik nicht aus­ge­spart. »Dort wurde ver­langt, dass wir unseren Beitrag bezahlen. Besser geworden ist dadurch aber nichts. Deshalb haben wir uns in der Basis­ge­werk­schaft IWW orga­ni­siert«, wirbt ein Redner. Wie Heiner Stuhl­fauth von der IWW-Köln gegenüber »nd« bestätigt, ist das Interesse unzu­frie­dener NGG-Mit­glieder an der IWW nach wie vor groß.

Ein kon­kreter Streit­punkt: Seit Jah­res­anfang gibt es für die Kan­ti­nen­ar­beiter von Eurest kein bezahltes Früh­stück und Mit­tags­essen mehr. Der mehr­heitlich von NGG-Mit­gliedern besetzte Eurest-Gesamt­be­triebsrat habe kurz vor Weih­nachten dieser Regelung zuge­stimmt, kri­ti­sierten die Demons­tranten. Sie befürchten als Kon­se­quenz zuneh­mende Kon­trollen und mög­liche Baga­tell­kün­di­gungen, wenn ein Beschäf­tigter ein Brötchen essen sollte. Eine zen­trale For­derung war deshalb die Wei­ter­ein­führung der kos­ten­losen Mahl­zeiten für Kan­tinen- und Küchen­per­sonal.

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Peter Nowak

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