Der Neuköllner Patriarch und der unseriöse, spaßige Wahlkampf


Die eta­blierten Par­teien tun sich schwer mit den Aktionen der Busch­kowsky-Jugend und der Titanic-Partei

Die Busch­kowsky-Jugend hatte in den letzten Tagen etwas Spaß in den trögen Wahl­kampf in Neu­kölln und damit sogar ihren Namens­geber, den Neu­köllner SPD-Bür­ger­meister Heinz Busch­kowsky, zum Schmunzeln gebracht. Als der vor einigen Tagen in einem Britzer Bio­laden Brot­dosen für Schüler füllte, bekam er Besuch von einer Gruppe junger Fans, die ihm garan­tiert deutsche Erd­äpfeln über­reichten. »Wir freuen uns, wenn Sie in jede dieser Brot­dosen auch mal eine Kar­toffel tun«, erklärten sie dem Bür­ger­meister.

»Ich staune, dass die Piraten sich zu meiner Anhän­ger­schaft dazu­ge­sellt haben«, nahm Busch­kowsky den Auf­tritt mit Humor und hieß seinen selbst­er­nannten Fanclub will­kommen. Doch seit gestern ist Schluss mit lustig und der Bür­ger­meister möchte über seine unge­zogene Jugend nicht mehr lachen. Gegenüber Tele­polis erklärte er:

»Ich halte es nicht für erstre­benswert, einen Wahl­kampf mit ver­deckt und namenlos agie­renden Agitprop-Trupps salon­fähig zu machen. Das erinnert ein bisschen an die Wei­marer Republik. Ich halte die Demo­kratie für eine seriöse Gesell­schafts­ordnung, die auch eine seriöse Aus­ein­an­der­setzung ver­dient.«

Nachdem das rbb-Poli­tik­ma­gazin Klartext mit Stefan Gerbing, einen Mit­ar­beiter der Linken-Bun­des­tags­ab­ge­ord­neten Katja Kipping, als Sprecher der Buch­kowsky-Jugend ent­tarnt hatte, sind auch von der SPD andere Töne zu hören. »Nach guter alter Stasi-Manier – unter fal­schem Namen und im Dunkeln – agiert der Agitprop-Wahl­kampf-Stör­trupp aus dem Dunst­kreis der Linken gegen die SPD in Neu­kölln«, heißt es in einer Pres­se­mit­teilung der Neu­köllner SPD.

Dabei betonte Kipping, die innerhalb der Linken der DDR-kri­ti­schen Strömung angehört, gegenüber Tele­polis, die Tätigkeit bei der Spaß­gue­rilla falle in die Freizeit ihres par­tei­losen Mit­ar­beiters und werde von ihr nicht kom­men­tiert.

»Die Zeiten, in denen sich Arbeit­ge­be­rInnen ins Pri­vat­leben ihrer Beschäf­tigten ein­mi­schen, sind ja zum Glück vorbei.«

Mustafa Müller, der neue Sprecher der Busch­kowsky-Jugend, bestä­tigte Kip­pings Aussage. »Wir haben mit der Linken sowenig zu tun wie mit anderen Par­teien.« Die Busch­kowsky-Jugend müsse sich einen neuen Pres­se­sprecher suchen. Zudem sei ihre Face­book­seite gesperrt. Trotzdem wolle sie bis zum Wahl­termin weiter an ihren Zielen arbeiten, die sie in ihrem Manifest nie­der­gelegt hat. Danach soll Busch­kowsky zum Neu­köllner Patri­archen erklärt werden, ein Hart­zschutz­gesetz in Neu­kölln ein­ge­führt und alle Satel­li­ten­schüsseln von Migranten demon­tiert werden. Als Ent­schä­digung für seine Anfein­dungen in Kreuzberg solle Busch­kowsky-Freund Thilo Sar­razin die Mög­lichkeit gegeben werden, seine Thesen von der Sehitlik-Moschee am Colum­biadamm »aus dem welt­of­fenen Neu­kölln ins into­le­rante Kreuzberg« zu rufen.

Viele Beob­achter sehen in der Busch­kowsky-Jugend eine Nach­folge der Aktion Pink Rabbit gegen Deutschland, mit der die Ber­liner Natur­freu­de­jugend vor zwei Jahren für viele Lache­rInnen sorgte.

Gas geben mit Haider

Der Humor der Busch­kowsky-Jugend wird von der Titanic-Partei über­troffen, die mit der Per­si­flage eines NPD-Plakats viel Zustimmung erhielt. Nur gibt auf den ver­frem­deten Pla­katen nicht der NPD-Chef auf dem Motorrad, sondern Öster­reichs Rechts­po­pulist Jörg Haider Gas.

Zu sehen ist das Wrack des Wagens mit dem er tödlich ver­un­glückt ist. Wahl­kampf kann also Spaß machen, die meisten Poli­tiker haben aber keinen Humor, lautet das Fazit der lus­tigen Wahl­kampf­in­ter­ven­tionen. Unter den »seriösen Par­teien« gelang der Pira­ten­partei, die inhaltlich zwi­schen FDP und Grünen steht, mit humo­ris­ti­schen Pla­katen ein Umfra­genhoch.

http://​www​.heise​.de/​t​p​/​b​l​o​g​s​/​8​/​1​50371

Peter Nowak


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