Gestapo-Lager, KZ, Zwangsarbeiter-Hölle

Gestapo-Lager, KZ, Zwangsarbeiter-Hölle
GESCHICHTE Ein neuer Verein will sich mit der NS-Vergangenheit des Flughafengeländes Tempelhof befassen. Grabungen geplant

Am Mon­tag­abend hat sich der »För­der­verein zum Gedenken an Nazi-Ver­brechen um und auf dem Tem­pel­hofer Flugfeld« kon­sti­tuiert. Rund 40 Per­sonen folgten den Aus­füh­rungen von Beate Winzer, die seit fast 25 Jahren für eine Gedenk­stätte für die NS-Opfer von Tem­pelhof kämpft.

Die his­to­rische Debatte um Tem­pelhof wurde lange fast aus­schließlich auf die Ereig­nisse des Jahres 1948 – also die Luft­brücke – und den Kalten Krieg redu­ziert, so Winzer. »Dass sich auf dem Gelände 1933 ein Gefan­ge­nen­lager der SS und der Gestapo sowie 1934 bis 1936 ein Kon­zen­tra­ti­ons­lager befand, wird kaum wahr­ge­nommen.« Der Verein will die braune Geschichte des Areals in Zusam­men­arbeit mit der Topo­graphie des Terrors erfor­schen und zur Spu­ren­si­cherung Gra­bungen durch­führen.

Zur His­torie des KZ auf dem Gelände gebe es zahl­reiche his­to­rische Quellen. Schließlich war es als »Hölle am Colum­biadamm« in den ersten Jahren des NS-Regimes zum Inbe­griff des braunen Terrors geworden. Aller­dings seien noch viele Fragen offen, erklärte Frieder Böhne, der sich seit Jahr­zenten bei den Ver­ei­nigten der Ver­folgten des Nazi­re­gimes-Bund der Anti­fa­schis­tInnen (VVN/​BdA) für die Geschichts­auf­ar­beitung ein­setzt. Ein For­schungs­ge­gen­stand könnte die Ver­folgung Homo­se­xu­eller durch die Nazis am Bei­spiel des KZ Colum­biadamm sein. Dort habe zeit­weise fast die Hälfte der Gefan­genen aus Homo­se­xu­ellen bestanden.

Schwie­riger ist die Quel­lenlage bei den Zwangs­ar­beits­lagern, die sich bis 1945 auf dem Areal befanden. Tau­sende meist sowje­tische Kriegs­ge­fangene mussten dort für die deutsche Kriegs­wirt­schaft schuften. Tem­pelhof war eines der Zentren der deut­schen Luft­rüstung. »Jeder zehnte deutsche Bomber wurde hier pro­du­ziert«, so Winzer.

Aus dieser Zeit gibt es kaum noch Spuren. Die Holz­ba­racken wurden schon kurz nach Kriegsende abge­tragen. In Zeiten des Kalten Krieges war eine Erin­nerung an die braune Geschichte des Areals nicht vor­ge­sehen. Erst 1994 wurde unter der Ägide des dama­ligen Tem­pel­hofer Bezirks­stadtrats für Volks­bildung, Klaus Wowereit, ein Mahnmal für die KZ-Insassen gegenüber dem Tem­pel­hofer Feld errichtet.

Manfred Kühne von der Senats­ver­waltung für Stadt­ent­wicklung erklärte, dass seine Behörde erst nach der Öffnung des Flug­ha­fen­areals aktiv werden konnte. Mitt­ler­weile befasse sich eine Arbeits­gruppe mit der NS-Geschichte. Die genaue For­mu­lierung des For­schungs­auf­trags müsse aller­dings ebenso geklärt werden wie die Finan­zierung. Aller­dings hält es Kühne für rea­lis­tisch, dass im kom­menden Frühjahr erste Gedenk­tafeln mit Hin­weisen auf KZ und Zwangs­arbeit auf dem his­to­ri­schen Gelände auf­ge­stellt werden.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2010%2F11%2F24%2Fa0145&cHash=f802d1673a

Peter Nowak

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